Fleisch, Milch und pflanzliche Alternativen: Was sich von 2014 bis 2024 verändert hat
Autor:
Thomas Wiedemann
Veröffentlicht am 2. Mai 2026 · zuletzt aktualisiert am 2. September 2026

In Deutschland haben sich der rechnerische Verbrauch tierischer Lebensmittel und der Markt für pflanzliche Alternativen innerhalb eines Jahrzehnts deutlich verändert. Während weniger Fleisch und Konsummilch zur Verfügung standen, nahm der Käseverbrauch zu. Gleichzeitig etablierten sich pflanzliche Alternativprodukte als eigenes Marktsegment.
Die verschiedenen Daten lassen sich allerdings nicht unmittelbar miteinander gleichsetzen: Amtliche Versorgungsbilanzen bilden rechnerisch verfügbare Mengen ab, während Marktforschungsdaten Verkäufe im Einzelhandel erfassen. Sie zeigen deshalb Entwicklungen auf Bevölkerungsebene, aber weder den tatsächlichen Verzehr einzelner Menschen noch einen unmittelbaren Austausch eines bestimmten tierischen Lebensmittels durch ein pflanzliches Produkt.
Weniger Fleisch als zehn Jahre zuvor
Nach der neuberechneten Versorgungsbilanz der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung sank der rechnerische Fleischverzehr von rund 61,6 Kilogramm pro Person im Jahr 2014 auf etwa 53,5 Kilogramm im Jahr 2024. Das entspricht einem Rückgang um gut acht Kilogramm beziehungsweise rund 13 Prozent¹.
Der in der Versorgungsbilanz ausgewiesene Fleischverzehr ist jedoch keine direkte Messung der tatsächlich gegessenen Menge. Er wird aus Angaben zu Erzeugung, Ein- und Ausfuhren sowie Bestandsveränderungen berechnet. Anschließend werden unter anderem Knochen, industrielle Verwertung, Verluste und die Verwendung als Tierfutter herausgerechnet. Die Bilanz eignet sich damit zur Beobachtung längerfristiger Entwicklungen, nicht aber zur Bestimmung des individuellen Fleischverzehrs.
Über die Ursachen des Rückgangs können die Bilanzdaten allein keine Auskunft geben. Bevölkerungsbefragungen zeigen jedoch, dass sich Einstellungen und Ernährungsgewohnheiten verändert haben. Im Ernährungsreport 2023 nannten Menschen, die vegetarische oder vegane Alternativprodukte kauften, unter anderem Neugier, Tierschutz, Umwelt- und Klimaschutz sowie Geschmack als Gründe. Solche Befragungen machen mögliche Motive sichtbar, belegen aber nicht, welchen Anteil diese Faktoren am Rückgang des Fleischverzehrs hatten³. Auch Preise, Produktangebot, demografische Veränderungen und weitere gesellschaftliche Entwicklungen können eine Rolle spielen.
Konsummilch geht zurück, Käse nicht
Auch bei Konsummilch zeigt die amtliche Zeitreihe einen deutlichen Rückgang. Im Jahr 2014 standen rechnerisch rund 54,7 Kilogramm Konsummilch pro Person zur Verfügung. 2024 waren es noch etwa 46,2 Kilogramm – ein Minus von rund 16 Prozent².
Pflanzliche Milchalternativen haben im gleichen Zeitraum an Bedeutung gewonnen. Allein zwischen 2022 und 2024 stieg ihre verkaufte Menge in Deutschland um rund 15 Prozent. Haferdrinks waren 2024 mit einem Anteil von knapp 70 Prozent die mit Abstand größte Kategorie unter den pflanzlichen Milchalternativen⁵.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jede nicht mehr verkaufte Einheit Kuhmilch durch einen Pflanzendrink ersetzt wurde. Der rechnerische Rückgang bei Konsummilch ist größer als der Pro-Kopf-Verbrauch pflanzlicher Milchalternativen, der 2024 bei rund 4,9 Kilogramm lag. Veränderungen beim Frühstück, beim Kochen, beim Außer-Haus-Verzehr oder bei anderen Getränken können ebenfalls zum Rückgang beigetragen haben.
Anders entwickelte sich der Käseverbrauch. Dieser stieg von rund 24,2 Kilogramm pro Person im Jahr 2014 auf etwa 25,5 Kilogramm im Jahr 2024². Die Daten widersprechen damit einer pauschalen Aussage, nach der tierische Lebensmittel insgesamt an Bedeutung verloren hätten. Vielmehr unterscheiden sich die Entwicklungen erheblich zwischen den einzelnen Produktgruppen.
Aus der Versorgungsbilanz lässt sich nicht ableiten, weshalb Käse eine andere Entwicklung genommen hat als Konsummilch. Erklärungen über Geschmack, Sättigung oder Ernährungsgewohnheiten mögen plausibel erscheinen, wären ohne entsprechende Untersuchungen jedoch spekulativ.
Pflanzliche Alternativen werden zu einem relevanten Marktsegment
Nach Daten des Good Food Institute Europe, die auf Erhebungen des Marktforschungsunternehmens Circana beruhen, erzielten sechs Kategorien pflanzlicher Alternativprodukte im deutschen Lebensmitteleinzelhandel 2024 einen Umsatz von rund 1,66 Milliarden Euro. Erfasst wurden pflanzliche Alternativen zu Fleisch, Fisch, Milch und Milchgetränken, Joghurt, Käse und Sahne⁴.
Zwischen 2022 und 2024 erhöhte sich der Umsatz dieser Kategorien um knapp sieben Prozent. Die verkaufte Menge stieg im gleichen Zeitraum um rund 14 Prozent. Dass die Absatzmenge stärker zunahm als der Umsatz, hängt unter anderem mit gesunkenen Durchschnittspreisen und dem wachsenden Anteil günstigerer Handelsmarken zusammen.
Bei pflanzlichen Milchalternativen lag der Anteil 2024 bei rund zehn Prozent des Umsatzes und etwa 8,8 Prozent der im Einzelhandel verkauften Milchmenge. Pflanzliche Käsealternativen blieben dagegen mit weniger als einem Prozent Marktanteil eine Nischenkategorie⁴.
Diese Zahlen beziehen sich ausschließlich auf die untersuchten Produktgruppen und die erfassten Vertriebskanäle. Sie beschreiben nicht den gesamten Markt veganer Lebensmittel. Traditionelle pflanzliche Produkte wie Hülsenfrüchte, Tofu, Getreide, Nüsse oder Gemüse sind darin nur teilweise oder gar nicht enthalten.
Pflanzlich bedeutet nicht automatisch nährstoffreicher
Das Wachstum pflanzlicher Alternativprodukte ist nicht automatisch mit einer Verbesserung oder Verschlechterung der Ernährung gleichzusetzen. Die Nährwertprofile unterscheiden sich erheblich zwischen den Produktgruppen und teilweise auch zwischen einzelnen Produkten derselben Kategorie.
Viele moderne Alternativprodukte werden nach dem NOVA-System als hochverarbeitete Lebensmittel eingeordnet. Aus dieser Klassifikation allein lässt sich jedoch nicht ableiten, ob ein konkretes Produkt ernährungsphysiologisch günstiger oder ungünstiger als das tierische Vergleichsprodukt ist. Dafür müssen unter anderem Proteinmenge und -qualität, Fettsäuremuster, Ballaststoff-, Salz- und Zuckergehalt sowie die Anreicherung mit Mikronährstoffen betrachtet werden.
Eine Untersuchung von Fleisch- und Käsealternativen aus dem deutschen Handel zeigte beispielsweise, dass pflanzliche Fleischalternativen im Durchschnitt weniger Energie, Gesamtfett und gesättigte Fettsäuren enthielten als die verglichenen Fleischprodukte. Gleichzeitig enthielten sie häufig mehr Kohlenhydrate und teilweise mehr Zucker. Auch der Salzgehalt und die Versorgung mit bestimmten Mikronährstoffen unterschieden sich deutlich zwischen den Produkten⁶.
Pflanzliche Fleischalternativen können daher eine praktische Möglichkeit sein, den Fleischkonsum zu reduzieren. Sie sind aber nicht automatisch gesundheitlich optimal. Wenig verarbeitete Proteinquellen wie Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Tofu oder Tempeh bleiben wichtige Bestandteile einer ausgewogenen pflanzenbasierten Ernährung.
Bei Pflanzendrinks auf die Zusammensetzung achten
Auch Pflanzendrinks unterscheiden sich deutlich voneinander. Sojadrinks erreichen meist einen ähnlichen Proteingehalt wie Kuhmilch, während Hafer-, Reis- oder Mandeldrinks in der Regel weniger Protein enthalten. Viele Pflanzendrinks weisen dafür einen geringeren Gehalt an gesättigten Fettsäuren auf und enthalten kein Cholesterin.
Wenn Kuhmilch regelmäßig durch Pflanzendrinks ersetzt wird, ist besonders auf die Anreicherung mit Calcium, Jod, Vitamin B12 und Riboflavin zu achten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung weist darauf hin, dass nicht angereicherte Produkte das Nährstoffprofil von Kuhmilch nicht vollständig abbilden. Alternativ müssen diese Nährstoffe über andere Lebensmittel oder – insbesondere bei Vitamin B12 in einer veganen Ernährung – über Supplemente zugeführt werden⁷.
Die ernährungsphysiologische Qualität hängt somit nicht allein von der pflanzlichen Ausgangszutat ab. Ein angereicherter, ungesüßter Sojadrink erfüllt andere Funktionen als ein nicht angereicherter Reis- oder Mandeldrink.
Käsealternativen bleiben ernährungsphysiologisch unterschiedlich
Bei pflanzlichen Käsealternativen ist eine besonders genaue Betrachtung sinnvoll. Zahlreiche handelsübliche Produkte bestehen überwiegend aus Wasser, Kokosfett und Stärke. Solche Produkte enthalten häufig wenig Protein und können größere Mengen gesättigter Fettsäuren aufweisen. Auch eine Anreicherung mit Calcium oder Vitamin B12 ist keineswegs selbstverständlich⁶˒⁸.
Das gilt jedoch nicht für sämtliche Käsealternativen. Produkte auf Basis von Soja, Hülsenfrüchten oder Nüssen können andere Nährwertprofile besitzen. Entscheidend sind deshalb die Zutatenliste und die Nährwertangaben des konkreten Produkts. Eine pauschale Bewertung der gesamten Kategorie wäre ebenso wenig gerechtfertigt wie die Annahme, jedes pflanzliche Ersatzprodukt sei automatisch gesünder.
Fazit
Zwischen 2014 und 2024 ist der rechnerische Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch in Deutschland deutlich gesunken. Auch der Verbrauch von Konsummilch ging zurück, während der Käseverbrauch leicht zunahm. Parallel entwickelte sich ein wachsender Markt für pflanzliche Alternativen, wobei insbesondere Pflanzendrinks relevante Marktanteile erreichten.
Die Daten zeigen damit keine vollständige Ablösung tierischer Lebensmittel, sondern eine differenzierte Verschiebung zwischen verschiedenen Produktgruppen. Ebenso wenig lässt sich aus dem Marktwachstum unmittelbar auf die gesundheitliche Qualität der Ernährung schließen.
Pflanzliche Alternativprodukte können den Übergang zu einer stärker pflanzenbasierten Ernährung erleichtern. Ihr Nährwert hängt jedoch von der jeweiligen Rezeptur ab. Für eine fundierte Beurteilung sind deshalb weder die Bezeichnung „pflanzlich“ noch der Verarbeitungsgrad allein ausreichend. Entscheidend bleiben die Zusammensetzung des einzelnen Produkts und seine Einbindung in die gesamte Ernährung.
Quellen
¹ Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. (2026a). Versorgung mit Fleisch in Deutschland. https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung/versorgungsbilanzen/fleisch
² Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. (2026b). Versorgung mit Milch und Milcherzeugnissen in Deutschland. https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung/versorgungsbilanzen/milch-und-milcherzeugnisse
³ Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. (2023). Deutschland, wie es isst: Der BMEL-Ernährungsreport 2023. https://www.bmleh.de/DE/themen/ernaehrung/ernaehrungsreport2023.html
⁴ Good Food Institute Europe. (2025). Entwicklung des Marktes für pflanzenbasierte Lebensmittel im deutschen Einzelhandel 2022–2024. https://gfieurope.org/de/wp-content/uploads/sites/2/2025/06/Entwicklung-des-Marktes-fuer-pflanzenbasierte-Lebensmittel-im-deutschen-Einzelhandel-2022-2024.pdf
⁵ Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. (2025). Kuhmilch versus Haferdrink – ein Blick auf Klimabilanz und Umweltwirkung. https://www.landwirtschaft.de/umwelt/klimawandel/rolle-der-landwirtschaft/kuhmilch-versus-haferdrink-ein-blick-auf-klimabilanz-und-umweltwirkung
⁶ Pointke, M., & Pawelzik, E. (2022). Plant-based alternative products: Are they healthy alternatives? Micro- and macronutrients and nutritional scoring. Nutrients, 14(3), 601. https://doi.org/10.3390/nu14030601
⁷ Richter, M., Schäfer, A. C., Alexy, U., Conrad, J., & Watzl, B. (2024). Dairy and plant-based milk alternatives as part of a more sustainable diet: Position statement of the German Nutrition Society (DGE). Ernährungs Umschau, 71(12), 162–181. https://www.dge.de/wissenschaft/stellungnahmen-und-positionspapiere/positionen/dairy-and-milk-alternatives/
⁸ Craig, W. J., Mangels, A. R., & Brothers, C. J. (2022). Nutritional profiles of non-dairy plant-based cheese alternatives. Nutrients, 14(6), 1247. https://doi.org/10.3390/nu14061247
