Pflanzen direkt essen oder verfüttern: Wie groß sind die Konversionsverluste?

Autor: Thomas Wiedemann
Veröffentlicht am 6. September 2026

Hinweis zur Einordnung

Dieser Beitrag untersucht die Erzeugung tierischer Lebensmittel bewusst unter dem begrenzten Blickwinkel der Nahrungskonkurrenz und Ressourcennutzung. Begriffe wie „Nutztier“ oder „Tierhaltung“ werden dabei entsprechend dem üblichen wissenschaftlichen und agrarpolitischen Sprachgebrauch verwendet; ihre Verwendung ist nicht als ethische Rechtfertigung der Nutzung von Tieren zu verstehen. Die grundsätzliche Frage, ob Menschen Tiere zu ihren Zwecken halten, nutzen oder töten dürfen, bleibt in dieser Analyse bewusst ausgeklammert, ohne damit ihre Bedeutung für den Veganismus infrage zu stellen.


Auf einem Acker wachsen Weizen, Mais oder Sojabohnen. Nach der Ernte können diese Pflanzen zu Lebensmitteln für Menschen verarbeitet werden – etwa zu Brot, Maisgrieß, Tofu oder anderen Produkten. Sie können aber auch als Futter für Rinder, Schweine oder Geflügel dienen.


In beiden Fällen beginnt die Nahrung auf derselben landwirtschaftlichen Fläche. Doch die Wege, die sie anschließend nimmt, unterscheiden sich grundlegend.

Essen Menschen die daraus hergestellten Lebensmittel direkt, stehen ihnen große Teile der enthaltenen Energie und Nährstoffe unmittelbar zur Verfügung. Werden die Pflanzen dagegen zunächst an Tiere verfüttert, benötigt das Tier einen erheblichen Teil davon für seinen eigenen Organismus: für Stoffwechsel, Bewegung, Körperwärme, Verdauung und Wachstum.


Nur ein Teil der aufgenommenen Energie und Nährstoffe wird schließlich in Fleisch, Milch oder Eiern gespeichert und gelangt auf diesem Weg zurück in die menschliche Ernährung.


Das führt zu einer zunächst einfach erscheinenden Frage:

Könnten dieselben Ackerflächen mehr Menschen ernähren, wenn die darauf erzeugten Pflanzen unmittelbar zu Lebensmitteln verarbeitet würden?

Ganz so einfach ist die Antwort allerdings nicht.

Nutztiere fressen keineswegs ausschließlich Weizen, Mais oder Soja, die ebenso der menschlichen Ernährung dienen könnten. Wiederkäuer können Gras verwerten, Schweine und Geflügel können bestimmte Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung nutzen. Ein großer Teil der weltweit eingesetzten Futtermasse besteht aus Pflanzenbestandteilen, die Menschen nicht oder zumindest gegenwärtig nicht als Lebensmittel verwenden.


Doch auch daraus ergibt sich eine weitere Frage:

Ist ein Futtermittel bereits deshalb ohne Konkurrenz zur menschlichen Ernährung, weil Menschen es nicht essen können?

Silomais beispielsweise ist kein übliches menschliches Lebensmittel. Er wächst jedoch vielfach auf Ackerflächen, auf denen grundsätzlich auch Nahrungspflanzen angebaut werden könnten. Umgekehrt gibt es Dauergrünland, das sich kaum für den Ackerbau eignet und dennoch von Rindern oder anderen Wiederkäuern genutzt werden kann.


Die entscheidende Grenze verläuft deshalb nicht einfach zwischen „essbar“ und „nicht essbar“. Ebenso wichtig ist, welche Flächen für die Erzeugung des Futters beansprucht werden, welche anderen Nutzungsmöglichkeiten dort bestehen und wie viel menschlich verfügbare Nahrung am Ende aus diesen Ressourcen hervorgeht.


Diese Fragen berühren nicht nur die Effizienz der Lebensmittelproduktion. Sie betreffen auch den Flächenbedarf der Landwirtschaft, die weltweite Verfügbarkeit von Nahrung und den Zugang kleinbäuerlicher Gemeinschaften zu Land und Wasser.


Wie viel Energie und Protein geht bei der Umwandlung pflanzlicher Futtermittel in tierische Lebensmittel tatsächlich verloren? Wann können Tiere zusätzliche Nahrung aus sonst nicht nutzbarer Biomasse erzeugen? Und wie viele Menschen könnten die vorhandenen Ackerflächen versorgen, wenn weniger Pflanzen verfüttert würden?


Um das zu beantworten, müssen wir zunächst betrachten, was im Organismus eines Tieres mit der aufgenommenen Energie und den enthaltenen Nährstoffen geschieht.


Warum der Umweg über Tiere Energie und Nährstoffe kostet


Ein Tier ist kein Behälter, in dem sich das aufgenommene Futter einfach in Fleisch, Milch oder Eier verwandelt. Es ist ein lebender Organismus, der fortwährend Energie und Nährstoffe benötigt – unabhängig davon, ob gerade ein für Menschen nutzbares Lebensmittel entsteht.


Ein Teil der aufgenommenen Energie wird bereits für die Verdauung benötigt. Weitere Anteile dienen dem Herzschlag, der Atmung, der Aufrechterhaltung der Körpertemperatur, der Bewegung, dem Immunsystem und zahlreichen anderen Stoffwechselvorgängen. Bei Wiederkäuern entstehen durch die mikrobielle Verdauung im Pansen zusätzlich Energieverluste in Form von Methan.


Die Energie verschwindet dabei nicht im physikalischen Sinne. Sie wird jedoch überwiegend in Wärme, Bewegung und andere Formen umgewandelt, die anschließend nicht mehr als Nahrungsenergie für Menschen zur Verfügung stehen.

Auch die im Futter enthaltenen Proteine werden nicht vollständig in essbares tierisches Protein überführt. Tiere benötigen Aminosäuren unter anderem für den Aufbau und die Erneuerung von Muskeln, Organen, Haut, Enzymen und Hormonen. Ein Teil des aufgenommenen Stickstoffs wird wieder ausgeschieden. Weitere Nährstoffe befinden sich am Ende in Körperbestandteilen, die je nach Tierart, Kultur und Verarbeitungsweise nicht oder nur teilweise als Lebensmittel genutzt werden.


Bei der Fleischerzeugung kommt ein weiterer Faktor hinzu: Das Tier muss häufig über Monate oder Jahre ernährt werden, bevor es geschlachtet wird. Während dieser gesamten Zeit benötigt es Energie für seine Lebenserhaltung. Vom späteren Lebendgewicht wiederum werden nicht sämtliche Bestandteile zu verzehrbarem Fleisch. Knochen, Haut, Verdauungsinhalt und andere Gewebe gehören zwar zum Tierkörper, aber nicht vollständig zur menschlichen Nahrung.


Wie groß diese Konversionsverluste ausfallen, hängt stark vom jeweiligen Produktionssystem ab. Eine schnell wachsende Masthühnerlinie wandelt Futter anders um als ein Schwein oder ein Rind. Auch Alter, Zucht, Haltung, Gesundheitszustand, Futterzusammensetzung und angestrebtes Endprodukt beeinflussen das Ergebnis.


Wiederkäuer nehmen dabei eine besondere Stellung ein. Rinder, Schafe und Ziegen können mithilfe ihrer Pansenmikroorganismen faserreiche Pflanzenbestandteile verwerten, die Menschen nicht verdauen können. Das kann ein Vorteil sein, wenn die Tiere überwiegend Gras, Ernterückstände oder andere nicht als Lebensmittel nutzbare Biomasse aufnehmen. Werden ihnen dagegen Getreide oder proteinreiche Ackerpflanzen verfüttert, treten diese Futtermittel in unmittelbare Konkurrenz zur menschlichen Ernährung.


Der grundlegende biologische Zusammenhang bleibt jedoch in allen Fällen bestehen: Nur ein Teil der aufgenommenen Energie und Nährstoffe wird in einem tierischen Lebensmittel gespeichert. Der übrige Teil wird für den Organismus benötigt, ausgeschieden oder befindet sich in Bestandteilen, die nicht als menschliche Nahrung genutzt werden.

Damit scheint die Ausgangsfrage zunächst beantwortet: Der direkte Weg von der Pflanze zum Menschen ist energetisch kürzer als der Weg über ein Tier.


Doch wie groß ist der Unterschied tatsächlich?

Um das zu beurteilen, genügt es nicht, lediglich Kilogramm Futter und Kilogramm Fleisch gegenüberzustellen. Zunächst müssen wir klären, welche Größen miteinander verglichen werden – und was Begriffe wie Futterverwertung, Lebendgewicht, Schlachtkörper und essbarer Anteil überhaupt bedeuten.


Wie lassen sich Konversionsverluste messen?


Auf den ersten Blick scheint die Berechnung einfach zu sein: Man ermittelt, wie viele Kilogramm Futter ein Tier aufnimmt, und vergleicht diese Menge mit den Kilogramm Fleisch, die daraus entstehen.

In der Nutztierwissenschaft wird dafür häufig die sogenannte Futterverwertungsrate verwendet. International ist die Bezeichnung Feed Conversion Ratio, kurz FCR, gebräuchlich. Sie beschreibt üblicherweise, wie viel Futter ein Tier aufnehmen muss, um ein Kilogramm Körpergewicht zuzunehmen.


Eine FCR von 3 bedeutet beispielsweise, dass drei Kilogramm Futter benötigt wurden, um ein Kilogramm Gewichtszunahme zu erreichen. Je niedriger der Wert, desto effizienter erscheint die Umwandlung.


Doch für die Frage, wie viel menschlich nutzbare Nahrung am Ende entsteht, reicht diese Kennzahl allein nicht aus.


Ein Kilogramm Gewichtszunahme ist kein Kilogramm Fleisch

Die Futterverwertungsrate bezieht sich häufig auf das Lebendgewicht des Tieres. Darin enthalten sind jedoch nicht nur Muskeln und Fett, sondern auch Knochen, Haut, Organe, Blut, Verdauungsinhalt und andere Körperbestandteile.

Bei der Schlachtung entsteht daraus zunächst der Schlachtkörper. Nach der weiteren Zerlegung verbleibt schließlich der Anteil, der tatsächlich als Lebensmittel verwendet wird. Wie groß dieser Anteil ist, hängt von der Tierart, der Zuchtlinie, dem Alter, dem Fettgehalt sowie davon ab, welche Organe und Nebenprodukte in der jeweiligen Region als Lebensmittel gelten.


Zwischen der aufgenommenen Futtermenge und dem verzehrbaren Produkt liegen deshalb mehrere Stufen:

Futteraufnahme – Gewichtszunahme – Lebendgewicht – Schlachtkörper – essbarer Anteil

Wer eine Futterverwertungsrate unmittelbar auf essbares Fleisch überträgt, überspringt diese Unterschiede. Aus sieben Kilogramm Futter und einer angenommenen FCR von 7 lässt sich daher nicht ableiten, dass daraus ein Kilogramm verzehrbares Fleisch entsteht.


Auch beim Futter ist ein Kilogramm nicht immer vergleichbar

Ein weiteres Problem ist der Wassergehalt.

Frisches Gras, Silage, Getreide und Sojaschrot enthalten sehr unterschiedliche Mengen Wasser. Zehn Kilogramm frisches Gras liefern deshalb nicht annähernd dieselbe Energie- und Nährstoffmenge wie zehn Kilogramm trockenes Getreide.


Futtervergleiche werden aus diesem Grund häufig auf die Trockenmasse bezogen. Dabei wird rechnerisch das enthaltene Wasser abgezogen. Das macht verschiedene Futtermittel besser vergleichbar, sagt aber noch immer nicht, wie viel Energie oder Protein tatsächlich enthalten und für das Tier verfügbar ist.


Auch zwei Futtermittel mit identischer Trockenmasse können sich erheblich unterscheiden:

  • in ihrem Energiegehalt,
  • in der Proteinmenge und Aminosäurezusammensetzung,
  • in ihrer Verdaulichkeit,
  • im Anteil der für Menschen nutzbaren Bestandteile,
  • in den Ressourcen, die zu ihrer Erzeugung benötigt wurden.


Ein Kilogramm Stroh, ein Kilogramm Sojaschrot und ein Kilogramm Weizen sind deshalb weder für das Tier noch für die menschliche Ernährung gleichwertig.


Entscheidend ist nicht nur, wie viel Futter eingesetzt wird

Für unsere Fragestellung müssen wir zusätzlich unterscheiden, ob das Futter grundsätzlich als menschliches Lebensmittel genutzt werden könnte.


Verwertet ein Rind Gras von einer Fläche, auf der kein Ackerbau möglich ist, entsteht kaum eine direkte Konkurrenz um menschliche Nahrung. Frisst ein Tier dagegen Weizen, Körnermais oder Soja, werden Energie und Nährstoffe eingesetzt, die nach entsprechender Verarbeitung auch Menschen zur Verfügung stehen könnten.


Eine Futterverwertungsrate behandelt beide Fälle zunächst gleich: Ein Kilogramm Gras und ein Kilogramm Getreide erscheinen darin lediglich als Futter. Für die Ernährungssicherung besitzen sie jedoch eine grundlegend unterschiedliche Bedeutung.


Forschende verwenden deshalb ergänzende Größen wie die Umwandlung menschlich essbarer Futterenergie oder menschlich nutzbaren Futterproteins. Dabei wird nicht die gesamte Futtermenge betrachtet, sondern nur der Anteil, der grundsätzlich auch der menschlichen Ernährung dienen könnte.


Ein Tier kann bei einer solchen Betrachtung sogar mehr menschlich verwertbares Protein erzeugen, als es in Form menschlich essbarer Futtermittel aufgenommen hat – beispielsweise wenn ein Wiederkäuer überwiegend Gras und Ernterückstände verwertet. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Tier Energie erzeugt. Es bedeutet lediglich, dass der größte Teil seines Futters zuvor nicht für Menschen nutzbar war.


Auch die Fläche gehört zur Rechnung

Selbst die Unterscheidung zwischen essbarem und nicht essbarem Futter beantwortet noch nicht alle Fragen.


Silomais wird gewöhnlich nicht für die menschliche Ernährung angebaut. Dennoch wächst er vielfach auf Ackerland. Auf derselben Fläche könnten – abhängig von Boden, Klima und regionalen Bedingungen – möglicherweise Kartoffeln, Getreide, Hülsenfrüchte oder andere Nahrungspflanzen erzeugt werden.


Damit entsteht eine indirekte Konkurrenz: Nicht das konkrete Futtermittel wäre für Menschen geeignet, wohl aber die dafür eingesetzte Fläche.


Eine umfassende Bewertung muss deshalb mindestens drei Fragen beantworten:

  1. Wie viel menschlich nutzbare Energie und wie viel Protein gelangen in die Tierfütterung?
  2. Wie viel davon kehrt als essbares tierisches Lebensmittel zurück?
  3. Welche Nahrung könnte auf den beanspruchten Ackerflächen alternativ erzeugt werden?


Erst wenn diese Ebenen getrennt betrachtet werden, kann beurteilt werden, wie groß der tatsächliche Verlust für die menschliche Ernährung ist.


Doch bevor wir solche Verluste beziffern können, müssen wir eine weitere Frage klären:


Was fressen Nutztiere weltweit tatsächlich – und welcher Teil davon könnte unmittelbar oder über eine andere Nutzung der Fläche zur menschlichen Ernährung beitragen?


Wenn über die Konkurrenz zwischen Tierfutter und menschlicher Ernährung gesprochen wird, stehen sich häufig zwei Aussagen gegenüber.


Die eine lautet: Nutztiere verbrauchen große Mengen an Getreide und Soja, die unmittelbar oder nach entsprechender Verarbeitung auch Menschen ernähren könnten.


Die andere entgegnet: Tiere fressen überwiegend Gras, Ernterückstände und Nebenprodukte, die für Menschen gar nicht nutzbar sind.


Beide Aussagen können mit Zahlen belegt werden. Und dennoch scheinen sie einander zu widersprechen.

Wie ist das möglich?


Der größte Teil der Futtermasse ist nicht für Menschen bestimmt

Eine vielbeachtete Untersuchung von Mottet und Kollegen analysierte die weltweiten Futterströme verschiedener Tierarten und Produktionssysteme. Nach ihren Berechnungen nahmen Nutztiere jährlich ungefähr sechs Milliarden Tonnen Futtertrockenmasse auf.


Rund 86 Prozent davon bestanden aus Materialien, die zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht als menschliche Lebensmittel genutzt wurden. Dazu gehörten vor allem Gras und andere Futterpflanzen, aber auch Ernterückstände und Nebenprodukte aus der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse.


Nur etwa 14 Prozent der gesamten Futtertrockenmasse wurden als grundsätzlich menschlich essbar eingestuft.

Auf den ersten Blick scheint das die Vorstellung zu widerlegen, Nutztiere würden in großem Umfang mit der menschlichen Ernährung konkurrieren. Doch diese Prozentangabe beschreibt zunächst nur die Zusammensetzung der gesamten Futtermasse. Sie beantwortet noch nicht, woher die einzelnen Futtermittel stammen, welche Flächen sie beanspruchen und welche Bedeutung die darin enthaltene Energie und das Protein besitzen.


Auch ein kleiner Anteil kann eine gewaltige Menge sein

Vierzehn Prozent erscheinen zunächst wenig. Bezogen auf sechs Milliarden Tonnen Futtertrockenmasse entspricht dieser Anteil jedoch mehreren Hundert Millionen Tonnen grundsätzlich menschlich nutzbarer Futtermittel.


Nach den Berechnungen von Mottet und Kollegen verbraucht die weltweite Tierhaltung ungefähr ein Drittel der globalen Getreideproduktion. Dazu gehören insbesondere Mais, aber auch Weizen, Gerste und andere Getreidearten.


Diese Pflanzen können nach entsprechender Verarbeitung unmittelbar als menschliche Lebensmittel dienen. Werden sie verfüttert, steht ihre Energie zunächst dem Tier zur Verfügung. Nur ein Teil davon gelangt anschließend über Fleisch, Milch oder Eier zurück in die menschliche Ernährung.


Die Aussagen „86 Prozent der Futtertrockenmasse sind nicht menschlich essbar“ und „etwa ein Drittel des Getreides wird verfüttert“ widersprechen sich daher nicht. Sie verwenden lediglich unterschiedliche Bezugsgrößen.


Und welche Rolle spielt Soja?

Ähnlich verhält es sich mit der weltweiten Sojaproduktion.

Rund drei Viertel der globalen Sojaernte werden der Tierfütterung zugerechnet. Gleichzeitig macht Sojaschrot nach den Berechnungen von Mottet und Kollegen nur ungefähr vier Prozent der gesamten von Nutztieren aufgenommenen Futtertrockenmasse aus.


Auch diese Zahlen können gleichzeitig richtig sein.


Soja ist nur eine von vielen weltweit erzeugten Kulturpflanzen. Die gesamte Futtermenge enthält gewaltige Mengen an Gras, Silagen und Ernterückständen. Gegenüber dieser Masse erscheint der Anteil des Sojas vergleichsweise klein.

Von der weltweiten Sojaproduktion wird jedoch der weitaus größte Teil zu Sojaöl und proteinreichem Sojaschrot verarbeitet. Während das Öl als Lebensmittel, industrieller Rohstoff oder Energieträger verwendet werden kann, gelangt das Schrot überwiegend in die Tierfütterung.


Die vier Prozent beziehen sich somit auf den Anteil des Sojaschrots an der gesamten globalen Futtertrockenmasse. Die ungefähr drei Viertel beziehen sich dagegen auf den Anteil der weltweiten Sojaproduktion, der wirtschaftlich mit der Tierfütterung verbunden ist.


Ein kleiner Anteil an einer riesengroßen Gesamtfuttermenge kann zugleich den überwiegenden Verwendungszweck einer einzelnen Kulturpflanze darstellen.


Nicht alle Tierarten fressen dasselbe

Die weltweiten Durchschnittswerte verdecken außerdem erhebliche Unterschiede zwischen den Tierarten und Produktionssystemen.


Rinder, Schafe und Ziegen können mithilfe der Mikroorganismen in ihrem Verdauungssystem große Mengen faserreicher Biomasse verwerten. In weidebasierten Systemen besteht ihre Nahrung überwiegend aus Gras und anderen Pflanzen, die Menschen nicht verdauen können.


In der intensiven Rindermast können während der Endmast dagegen größere Mengen energiereicher Futtermittel eingesetzt werden. Dazu gehören vor allem Körnermais und anderes Getreide. Soja- oder Rapsextraktionsschrot dienen meist als konzentrierte Proteinquellen, stellen aber gewöhnlich nicht den größten Bestandteil der Ration dar.


Schweine und Geflügel können faserreiches Gras wesentlich schlechter verwerten. Ihre Fütterung ist deshalb stärker auf Getreide und proteinreiche Komponenten wie Sojaschrot angewiesen. Gerade in diesen Produktionssystemen ist die direkte Konkurrenz zu grundsätzlich menschlich nutzbaren Pflanzen besonders ausgeprägt.


Hinzu kommen regionale Unterschiede. Welche Futtermittel eingesetzt werden, hängt unter anderem von Klima, verfügbaren Ackerpflanzen, Preisen, Handelsströmen und den Nebenprodukten der örtlichen Lebensmittelindustrie ab. Eine globale Durchschnittsration gibt es daher ebenso wenig wie „das“ Nutztier, dessen Fütterung für alle Produktionssysteme steht.


Die 86 Prozent beantworten bisher nicht die entscheidende Frage

Die Untersuchung von Mottet und Kollegen korrigiert zu Recht die vereinfachte Vorstellung, Nutztiere würden ausschließlich oder überwiegend menschlich nutzbares Getreide und Soja fressen. Ein großer Teil ihrer Nahrung besteht tatsächlich aus Gras, Ernterückständen und anderen Materialien, die nicht unmittelbar auf dem menschlichen Speiseplan stehen.

Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass dieser Teil des Futters ohne Konkurrenz zur menschlichen Ernährung erzeugt wird.


Ein Ernterückstand fällt gemeinsam mit einer Nahrungspflanze an und benötigt dafür nicht zwingend eine zusätzliche Anbaufläche. Silomais dagegen ist zwar kein übliches menschliches Lebensmittel, wird aber eigens auf Ackerflächen angebaut.

Gras kann von einer steilen, nicht ackerfähigen Weide stammen – oder von einer Fläche, auf der ebenso andere landwirtschaftliche Kulturen wachsen könnten.

Ob ein Futtermittel mit der menschlichen Ernährung konkurriert, lässt sich deshalb nicht allein daran erkennen, ob Menschen es unmittelbar essen können.

Damit führt uns die Zusammensetzung der Futterrationen zur nächsten Frage:


Was könnte auf den Flächen erzeugt werden, die heute dem Anbau von Tierfutter dienen?


Stellen wir uns zwei benachbarte Äcker vor. Auf dem einen wächst Weizen, der später zu Mehl und Brot verarbeitet wird. Auf dem anderen steht Mais, der als Silage an Rinder verfüttert werden soll.


Der Silomais ist für Menschen in dieser Form nicht unmittelbar als Lebensmittel nutzbar. Daraus folgt jedoch nicht, dass zwischen beiden Feldern keine Konkurrenz um Nahrung besteht. Denn entscheidend ist nicht nur, ob Menschen die geerntete Pflanze essen können. Entscheidend ist auch, was auf der dafür genutzten Fläche stattdessen hätte wachsen können.

Damit begegnen uns zwei unterschiedliche Formen der Nahrungskonkurrenz.


Wenn essbare Pflanzen im Futtertrog landen

Die unmittelbarste Konkurrenz entsteht, wenn Tiere Pflanzen oder Pflanzenteile erhalten, die grundsätzlich auch für die menschliche Ernährung genutzt werden könnten. Dazu gehören unter anderem Weizen, Maiskörner und andere Getreidearten, aber auch Hülsenfrüchte.


Nicht jede einzelne Futtercharge könnte ohne Weiteres zu Brot, Haferflocken oder einem anderen Lebensmittel verarbeitet werden. Sortenwahl, Qualität, Lagerung und Verarbeitung unterscheiden sich je nach vorgesehener Nutzung. Dennoch handelt es sich um Ackerpflanzen, deren Energie und Protein grundsätzlich auch über Lebensmittel für Menschen bereitgestellt werden könnten.


Werden solche Pflanzen verfüttert, gelangt nur ein Teil ihrer Nahrungsenergie und ihres Proteins über Fleisch, Milch oder Eier zurück. Der übrige Teil wird vom Tier für seinen Stoffwechsel benötigt oder geht über Wärme, Bewegung, Ausscheidungen und nicht essbare Körperbestandteile verloren.

Hier ist die Konkurrenz vergleichsweise leicht zu erkennen: Eine grundsätzlich als Lebensmittel nutzbare Ernte wird zunächst vom Tier verbraucht.


Wenn nicht essbare Futterpflanzen auf Ackerland wachsen

Weniger offensichtlich ist die Konkurrenz bei Pflanzen, die Menschen nicht unmittelbar essen können.

Silomais ist dafür ein anschauliches Beispiel. Bei ihm wird nahezu die gesamte Pflanze gehäckselt und vergoren. Menschen könnten aus dieser Silage kein übliches Lebensmittel herstellen. Trotzdem beansprucht ihr Anbau Ackerfläche, auf der – abhängig von Boden, Klima und Wasserversorgung – möglicherweise auch Getreide, Kartoffeln, Hülsenfrüchte oder andere Nahrungspflanzen wachsen könnten.


Ähnliches gilt für eigens angebautes Feldfutter und manche Futtergräser. Das Erntegut selbst mag für Menschen unverdaulich oder ungeeignet sein. Die Fläche, auf der es erzeugt wird, kann dennoch mit dem Anbau menschlicher Nahrung konkurrieren.

In der Ökonomie spricht man dabei von Opportunitätskosten. Gemeint ist der Nutzen, auf den wir verzichten, weil wir uns für eine bestimmte Verwendung entschieden haben. Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr:

Kann ein Mensch diese Futterpflanze essen?

Sondern:

Welche Lebensmittel hätten auf derselben Fläche erzeugt werden können?

Dieser Unterschied ist wesentlich. Denn die Aussage „Nutztiere fräßen überwiegend für Menschen nicht essbare Biomasse“ beschreibt lediglich die Zusammensetzung des Futters. Sie beantwortet noch nicht, ob für dessen Erzeugung Flächen genutzt wurden, die auch zur direkten menschlichen Ernährung hätten beitragen können.


Aber nicht jede Futterfläche ist ein möglicher Lebensmittelacker

Ebenso falsch wäre es jedoch, sämtliche für Nutztiere verwendeten Flächen gedanklich in Äcker für Getreide, Gemüse oder Hülsenfrüchte umzuwandeln.


Ein großer Teil der weltweiten Tierhaltung nutzt Dauergrünland. Dazu gehören Weiden in trockenen Regionen, steile Hanglagen, Hochlandflächen oder Böden, die aufgrund ihrer Beschaffenheit kaum für einen regelmäßigen Ackerbau geeignet sind. Dort können Wiederkäuer Gräser und andere Pflanzen verwerten, deren Nährstoffe Menschen ohne den tierischen Organismus nicht erschließen könnten.


Mottet und Kollegen schätzten, dass weltweit rund 2,5 Milliarden Hektar Land für die Erzeugung von Tierfutter genutzt werden. Etwa 57 Prozent dieser Fläche seien unter den untersuchten Bedingungen nicht für den Anbau menschlicher Nahrungspflanzen geeignet.


Das bedeutet umgekehrt jedoch nicht, dass sich auf den übrigen Flächen sofort und überall dieselben Lebensmittel anbauen ließen. Böden, Niederschläge, Temperaturen, Fruchtfolgen und regionale Ernährungsgewohnheiten unterscheiden sich erheblich. Ein sinnvoller Vergleich muss deshalb stets fragen, welche Nahrungspflanzen an einem konkreten Standort tatsächlich angebaut werden könnten.


Dennoch macht die Größenordnung deutlich: Ein beträchtlicher Teil der Tierfütterung ist mit der Nutzung von Ackerflächen verbunden, auf denen grundsätzlich auch Nahrung für Menschen erzeugt werden könnte.

Frei werdende Flächen – Raum für Klima und Natur


Eine Fläche muss nicht für den Anbau von Lebensmitteln geeignet sein, um eine wertvolle alternative Nutzung zu besitzen.


Wenn eine stärker pflanzenbetonte Ernährung den Bedarf an Tierfutter und Weideland verringert, könnten insbesondere auf bisher genutzten Weideflächen natürliche Ökosysteme wiederhergestellt werden. Je nach Standort könnten sich dort Wälder regenerieren, Moore wiedervernässt, natürliche Graslandschaften geschützt oder andere standortgerechte Lebensräume entwickelt werden.


Solche Ökosysteme können Kohlenstoff in ihrer Vegetation und ihren Böden speichern, Lebensräume für zahlreiche Arten bereitstellen und den Wasserhaushalt sowie die Bodenqualität verbessern. Forschende sprechen deshalb von einer möglichen „doppelten Klimadividende“: Einerseits sinken die laufenden Emissionen aus der Tierhaltung und der Futtermittelproduktion, andererseits können renaturierte Flächen der Atmosphäre zusätzlich Kohlendioxid entziehen.


Wie groß dieser Effekt tatsächlich ausfällt, hängt davon ab, welche Flächen frei werden und was anschließend mit ihnen geschieht. Frei werdendes Weideland wird nicht automatisch zum Wald oder zum geschützten Ökosystem. Dafür wären gezielte politische Entscheidungen, langfristiger Schutz und eine an den jeweiligen Standort angepasste Renaturierung erforderlich.


Die fehlende Eignung einer Fläche für den Lebensmittelanbau bedeutet daher nicht, dass ihre Nutzung durch Tiere ohne Alternativkosten bleibt. Diese Kosten betreffen dann allerdings nicht die unmittelbar verfügbare Nahrungsmenge, sondern Klima, Artenvielfalt und die ökologische Entwicklung der Landschaft.


Nicht das Gewicht der Ernte entscheidet

Auch der bloße Vergleich geernteter Tonnen kann in die Irre führen. Eine Tonne Silomais enthält viel Wasser und ist ernährungsphysiologisch nicht mit einer Tonne trockener Hülsenfrüchte oder Getreide vergleichbar.


Wenn wir unterschiedliche Nutzungen einer Fläche bewerten wollen, müssen wir daher genauer hinsehen:

Wie viele für Menschen nutzbare Kalorien liefert ein Hektar? Wie viel Protein entsteht darauf? Welche weiteren Nährstoffe werden bereitgestellt? Und wie viel davon erreicht nach Verarbeitung, Lagerung und gegebenenfalls tierischer Konversion tatsächlich den menschlichen Teller?


Erst mit solchen Vergleichen kann beurteilt werden, ob eine Fläche besonders effizient zur menschlichen Ernährung beiträgt.

Damit zeichnet sich ein differenzierteres Bild ab: Manche Tiere erhalten Nahrungsmittel, die Menschen unmittelbar essen könnten. Andere fressen Pflanzen, die zwar für uns ungeeignet sind, aber auf grundsätzlich ackerfähigen Flächen wachsen. Und wieder andere nutzen Grasland, Erntereste oder Nebenprodukte, aus denen ohne Tiere kaum menschliche Nahrung entstehen würde.


Der Umweg über das Tier ist deshalb nicht unter allen Bedingungen gleich zu bewerten.

Damit kommen wir zur nächsten Frage:

Wann erzeugen Tiere tatsächlich Nahrung aus Ressourcen, die uns Menschen sonst nicht zur Verfügung stünden – und wann verringern sie stattdessen die insgesamt verfügbare Nahrungsmenge?


Ein Rind kann Gras in Milch oder Fleisch umwandeln. Ein Schwein kann bestimmte Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung verwerten. Hühner können einen Teil ihrer Nahrung aus Reststoffen und Nebenprodukten beziehen.


Auf den ersten Blick scheinen Nutztiere damit Nahrung aus etwas zu erzeugen, das Menschen selbst nicht essen können.

Grundsätzlich ist das richtig. Es bedeutet jedoch nicht, dass dabei keine Energie verloren geht. Auch in solchen Systemen benötigt das Tier einen großen Teil der aufgenommenen Energie für seinen eigenen Stoffwechsel. Für die menschliche Ernährung entsteht trotzdem ein Gewinn, wenn die eingesetzte Biomasse andernfalls nicht als Nahrung nutzbar gewesen wäre.


Der entscheidende Unterschied lautet daher:

Biologische Effizienz und der Beitrag zur menschlichen Nahrungsversorgung sind nicht dasselbe.


Wenn unverdauliche Biomasse zu Nahrung wird

Menschen können Zellulose nicht verdauen. Wiederkäuer verfügen dagegen über ein komplexes Vormagensystem, in dem Mikroorganismen Gras und andere faserreiche Pflanzenbestandteile aufschließen. Dadurch können Rinder, Schafe und Ziegen Biomasse verwerten, aus der unser eigener Verdauungstrakt kaum Energie und Protein gewinnen könnte.

Das kann insbesondere auf Dauergrünland von Bedeutung sein, das aufgrund seiner Hanglage, seiner Böden, des Klimas oder einer unzureichenden Wasserversorgung nicht sinnvoll als Acker genutzt werden kann. Ernährt sich ein Tier dort überwiegend von Gras und benötigt es nur wenig zusätzliches Kraftfutter, kann es für Menschen nicht nutzbare Pflanzenmasse in Lebensmittel umwandeln.


Ähnliches gilt für bestimmte Nebenprodukte der Lebensmittelherstellung. Bei der Verarbeitung von Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln, Obst oder Hülsenfrüchten entstehen Bestandteile, die nicht oder nur begrenzt für die menschliche Ernährung verwendet werden. Werden solche Stoffströme verfüttert, können Tiere einen Teil der darin enthaltenen Energie und Nährstoffe wieder in den Ernährungskreislauf zurückführen.


Allerdings ist auch hier eine genaue Unterscheidung erforderlich. Nicht alles, was als Nebenprodukt bezeichnet wird, wäre andernfalls wertlos. Manche Bestandteile können technologisch weiterverarbeitet, direkt als Lebensmittel genutzt oder für andere Zwecke eingesetzt werden. Auch Erntereste sollten nicht vollständig vom Feld entfernt werden, weil sie zum Humusaufbau, zur Bodenfruchtbarkeit und zum Schutz vor Erosion beitragen können.


Nicht verfüttert bedeutet nicht ungenutzt

Würden weniger Nutztiere gehalten, müssten nicht mehr benötigte Nebenprodukte und Reststoffe keineswegs entsorgt werden. Für viele dieser Stoffe bestehen andere Verwendungsmöglichkeiten.

Geeignete organische Reststoffe können beispielsweise in Biogasanlagen vergoren werden. Dabei entsteht ein methanhaltiges Gas, das zur Erzeugung von Strom und Wärme oder aufbereitet als Biomethan genutzt werden kann. Die verbleibenden Gärreste enthalten weiterhin Pflanzennährstoffe und können unter geeigneten Bedingungen als Dünger eingesetzt werden.


Andere Stoffströme lassen sich möglicherweise zu neuen Lebensmitteln, industriellen Rohstoffen, Baustoffen oder Kompost verarbeiten. Bei Ernteresten kann es wiederum sinnvoller sein, einen Teil auf dem Feld zu belassen, damit organische Substanz und Nährstoffe im Boden erhalten bleiben.


Welche Nutzung ökologisch und gesellschaftlich am sinnvollsten ist, hängt daher von der Art des Reststoffs und den verfügbaren Alternativen ab. Für Menschen geeignete Lebensmittel sollten möglichst nicht zu Abfall werden. Sicher verwertbare Nebenprodukte können als Tierfutter zur Nahrungsversorgung beitragen. Erst wenn höherwertige Verwendungen ausscheiden, kann die energetische Nutzung eine sinnvolle Möglichkeit sein.


Die Alternative zur Verfütterung lautet somit nicht zwangsläufig Entsorgung. Tiere, Biogasanlagen, stoffliche Verwertung und die Rückführung in den Boden können miteinander um dieselben Reststoffe konkurrieren.


Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob Menschen ein Futtermittel gegenwärtig essen. Zu prüfen ist ebenso, ob es eine andere sinnvolle Nutzung besitzt und ob seine Entnahme an anderer Stelle neue Nachteile verursacht.

Vom Futterverbrauch zur Netto-Nahrungsleistung

Um den tatsächlichen Beitrag eines Tierhaltungssystems zu beurteilen, verwenden Forschende unter anderem die Konversion menschlich nutzbarer Energie und Proteine.

Dabei wird verglichen, wie viel für Menschen essbare Energie oder wie viel menschlich nutzbares Protein ein Tier mit seinem Futter aufnimmt und wie viel davon anschließend in Milch, Fleisch oder Eiern bereitgestellt wird.

Das Grundprinzip ist einfach:

  • Liefert das Tier mehr menschlich nutzbares Protein, als es über essbares Futter aufgenommen hat, ist es in dieser Hinsicht ein Nettoerzeuger.
  • Liefert es weniger, ist es ein Nettoverbraucher menschlich nutzbaren Proteins.


Ein Weiderind kann bei dieser Betrachtung trotz einer ungünstigen allgemeinen Futterverwertung einen positiven Wert erreichen. Der größte Teil seines Futters besteht möglicherweise aus Gras, das Menschen nicht verwerten können. Ein mit Getreide und Sojafuttermitteln gemästetes Tier kann dagegen schneller wachsen und pro Kilogramm Gewicht weniger Futter benötigen, zugleich aber stärker mit der menschlichen Ernährung konkurrieren.


Eine hohe betriebliche Produktivität bedeutet somit nicht automatisch eine hohe Netto-Nahrungsleistung.

In der globalen Analyse von Mottet und Kollegen erzeugten Wiederkäuer durchschnittlich ein Kilogramm tierisches Protein aus etwa 0,6 Kilogramm Protein aus unmittelbar für Menschen essbaren Futtermitteln. Nach dieser Berechnung waren sie bezogen auf menschlich essbares Protein Nettoerzeuger.


Diese Zahl darf jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Sie berücksichtigt zunächst die unmittelbare Essbarkeit des Futters. Ob auf den verwendeten Futterflächen stattdessen Nahrungspflanzen hätten angebaut werden können, ist eine zusätzliche Frage. Ein Rind kann daher bei der Futterbetrachtung mehr menschlich nutzbares Protein liefern, als es aufgenommen hat, und dennoch Ackerflächen beanspruchen, auf denen insgesamt noch mehr pflanzliche Nahrung hätte entstehen können.


Zwei Prüfungen statt einer einfachen Antwort

Ob Nutztiere die verfügbare Nahrungsmenge erhöhen oder verringern, lässt sich deshalb nur mit zwei aufeinanderfolgenden Fragen beantworten:


Erstens: Erhalten die Tiere Futter, das Menschen selbst essen oder zu Lebensmitteln verarbeiten könnten?

Zweitens: Werden für dieses Futter Flächen genutzt, auf denen sich stattdessen menschliche Nahrung erzeugen ließe?

Nur wenn beides weitgehend verneint werden kann, handelt es sich um eine Tierhaltung mit geringer Nahrungskonkurrenz. Dazu können Tiere gehören, die überwiegend nicht ackerfähiges Grünland, tatsächlich nicht anderweitig nutzbare Erntereste oder unvermeidbare Nebenprodukte der Lebensmittelherstellung verwerten.

Sobald dagegen Getreide, Hülsenfrüchte oder eigens auf Ackerland angebaute Futterpflanzen einen wesentlichen Teil der Ration bilden, verändert sich die Bilanz. Das Tier stellt weiterhin Lebensmittel bereit, doch dafür werden Ressourcen eingesetzt, aus denen direkt oder über eine andere Nutzung der Fläche meist mehr menschliche Nahrung entstehen könnte.


Ein möglicher Beitrag – aber keine unbegrenzte Produktion

Nutztiere können somit durchaus einen ergänzenden Beitrag zur menschlichen Ernährung leisten. Besonders deutlich wird dieser Gedanke in Modellen einer kreislauforientierten Landwirtschaft: Ackerflächen dienen vorrangig der Erzeugung menschlicher Nahrung. Tiere erhalten überwiegend Gras von nicht ackerfähigen Flächen sowie geeignete Nebenprodukte und Reststoffe, die innerhalb des Ernährungssystems anfallen.


Van Zanten und Kollegen werteten verschiedene Modellierungen solcher Systeme aus. Je nach Annahmen könnten Nutztiere auf dieser Grundlage etwa 9 bis 23 Gramm Protein pro Person und Tag bereitstellen, ohne eigens für sie menschlich nutzbare Ackerpflanzen anzubauen.


Das ist ein relevanter Beitrag. Zugleich macht die Spannbreite deutlich, dass die Menge tierischer Lebensmittel durch die verfügbaren Reststoffströme und geeigneten Graslandflächen begrenzt wäre.

In einem solchen System richtet sich die Zahl der gehaltenen Tiere nach den Ressourcen, die nach der Erzeugung menschlicher Nahrung noch zur Verfügung stehen. Im heutigen Ernährungssystem verläuft die Planung häufig in die umgekehrte Richtung: Um eine große Nachfrage nach Fleisch, Milch und Eiern zu bedienen, werden zusätzliche Futterpflanzen angebaut und globale Futtermittelströme geschaffen.


Damit ist die entscheidende Grenze erkennbar: Tiere erweitern das menschliche Nahrungsangebot, solange sie überwiegend Ressourcen verwerten, aus denen wir auf keinem sinnvolleren Weg Nahrung gewinnen könnten. Werden dagegen menschlich nutzbare Pflanzen oder produktive Ackerflächen für ihre Ernährung eingesetzt, können sie die insgesamt verfügbare Nahrungsmenge verringern.


Wie groß wäre eine Tierhaltung mit möglichst geringer Nahrungskonkurrenz?


Auf den ersten Blick scheint die Rechnung einfach: Wir erfassen alle verfügbaren Grasflächen, Nebenprodukte und unvermeidbaren Reststoffe und berechnen daraus, wie viele Tiere sich damit ernähren ließen.

In der Praxis ist es komplizierter. Die verfügbare Futtermenge hängt davon ab, welche Lebensmittel Menschen essen, wie diese verarbeitet werden, wie viele vermeidbare Verluste entlang der Lebensmittelkette entstehen und welche Reststoffe auf dem Feld oder im Boden verbleiben müssen. Hinzu kommen regionale Unterschiede bei Böden, Klima, Graslandqualität und landwirtschaftlichen Strukturen.


Deshalb gibt es nicht die eine weltweit gültige Zahl für eine kreislauforientierte Tierhaltung. Modellstudien können jedoch zeigen, in welcher Größenordnung sich eine solche Produktion bewegen könnte.


Die verfügbare Biomasse setzt die Grenze

In einem kreislauforientierten Ernährungssystem würden Ackerflächen vorrangig der Erzeugung menschlicher Nahrung dienen. Nutztiere erhielten hauptsächlich das, was nach dieser Produktion übrig bleibt und nicht sinnvoller für Menschen verwendet werden kann.


Dazu könnten beispielsweise Gras von nicht ackerfähigen Flächen, bestimmte Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung und ein begrenzter Teil unvermeidbarer Lebensmittelreste gehören. Wie wir bereits gesehen haben, stehen manche dieser Stoffe allerdings auch für die Bodenfruchtbarkeit, die stoffliche Verwertung oder die Energiegewinnung zur Verfügung.

Die Tierhaltung hätte in einem solchen System deshalb keine vorab festgelegte Größe. Sie würde sich nach der Menge und Qualität der tatsächlich verfügbaren Biomasse richten.


Das kehrt die heute häufig vorherrschende Logik um. Gegenwärtig wird zunächst eine bestimmte Menge Fleisch, Milch oder Eier nachgefragt und produziert. Reichen die vorhandenen Nebenprodukte und Grasressourcen dafür nicht aus, werden zusätzliche Futterpflanzen angebaut oder importiert.


In einem kreislauforientierten System käme zuerst die menschliche Ernährung. Erst anschließend würde sich zeigen, wie viele tierische Lebensmittel aus den verbleibenden Ressourcen noch erzeugt werden könnten.


Was Modellstudien dazu zeigen

Van Zanten und Kollegen verglichen acht wissenschaftliche Modellierungen, in denen Nutztiere weitgehend mit Futtermitteln ernährt wurden, die nur geringe Nutzungskonkurrenzen verursachen. Je nach Modell könnten solche Systeme weltweit etwa 9 bis 23 Gramm tierisches Protein pro Person und Tag bereitstellen.


Zum Vergleich verwendete die Untersuchung eine damalige globale Verfügbarkeit von durchschnittlich rund 27 Gramm Protein aus landlebenden Tieren pro Person und Tag. Fisch und andere aquatische Lebensmittel waren darin nicht enthalten.

Die mögliche kreislauforientierte Produktion entsprach damit – je nach Modell – ungefähr einem Drittel bis gut fünf Sechstel dieser damaligen durchschnittlichen Proteinmenge. Die große Spannbreite zeigt zugleich, wie stark das Ergebnis von den getroffenen Annahmen abhängt.


Die Werte beschreiben außerdem die rechnerisch verfügbare Proteinmenge innerhalb der Lebensmittelversorgung. Sie sagen nicht exakt aus, wie viel davon von einzelnen Menschen tatsächlich gegessen wird. Zwischen landwirtschaftlicher Erzeugung, Handel, Verkauf, privaten Haushalten und dem wirklichen Verzehr treten weitere Verluste auf.


Eine überraschende Besonderheit der Flächenberechnung

Einige der ausgewerteten Modelle kamen zu einem zunächst überraschenden Ergebnis: Eine Ernährung mit einer begrenzten Menge tierischer Lebensmittel aus Gras und geeigneten Reststoffen konnte weniger Ackerfläche beanspruchen als ein vollständig tierfreies Ernährungssystem.


Der Grund dafür liegt nicht in einer besonders effizienten tierischen Konversion. Auch hier geht im Tier ein großer Teil der aufgenommenen Energie verloren. Der Flächenvorteil entsteht vielmehr dadurch, dass Nebenprodukte und nicht ackerfähiges Gras in die menschliche Nahrungskette zurückgeführt werden.


Bei der Herstellung von Mehl entsteht beispielsweise nicht nur das gewünschte Lebensmittel. Es fallen zugleich Kleie und weitere Bestandteile an. Werden diese Stoffe nicht verfüttert, müssen die darin enthaltene Energie und das Protein gegebenenfalls durch zusätzliche Nahrungspflanzen ersetzt werden. Werden sie dagegen von Tieren verwertet, kann daraus eine begrenzte Menge zusätzlicher Nahrung entstehen, ohne dass für das Nebenprodukt eine eigene Ackerfläche angelegt wurde.


In den von Van Zanten und Kollegen zusammengefassten Modellen konnte eine solche begrenzte Tierhaltung den benötigten Ackerflächenbedarf gegenüber vollständig tierfreien Szenarien um etwa ein Viertel verringern.

Diese Aussage gilt jedoch nur innerhalb der untersuchten Modellannahmen und nur für das Ziel, möglichst wenig Ackerfläche zu benötigen. Sie bedeutet nicht, dass diese Tierhaltung auch bei allen anderen Umweltwirkungen günstiger wäre. Insbesondere Wiederkäuer verursachen weiterhin Methanemissionen. Zudem könnten nicht mehr beweidete Flächen für den Klima- und Naturschutz eine andere Bedeutung erhalten, wie die Infobox zur alternativen Flächennutzung zeigt.

Auch mögliche andere Verwendungen der Nebenprodukte – beispielsweise als Lebensmittelzutat, industrieller Rohstoff, Bodenverbesserer oder Energieträger – verändern das Ergebnis. Ein Vorteil bei der Ackerfläche ist deshalb nicht gleichbedeutend mit einer insgesamt besseren Umweltbilanz.


Die globale Durchschnittszahl verdeckt große Unterschiede

Noch wichtiger ist, dass eine globale Durchschnittsmenge wenig darüber aussagt, wie tierische Lebensmittel gegenwärtig verteilt sind.


In den von Van Zanten und Kollegen verwendeten FAO-Daten standen in Europa durchschnittlich rund 102 Gramm Protein pro Person und Tag zur Verfügung. Davon stammten etwa 51 Gramm aus Fleisch, Milch und Eiern. In Westafrika lag das gesamte Proteinangebot dagegen bei ungefähr 65 Gramm, wovon lediglich rund 8 Gramm aus landlebenden Tieren stammten.


Diese Zahlen beziehen sich auf die in der Studie verwendete Datengrundlage und sind keine aktuellen Verzehrsdaten. Sie verdeutlichen jedoch ein grundsätzliches Problem: Die Regionen mit dem höchsten Konsum tierischer Lebensmittel sind nicht zwangsläufig diejenigen, in denen zusätzliche tierische Nährstoffquellen ernährungsphysiologisch am dringendsten benötigt werden.


Die Forschenden kamen deshalb zu dem Ergebnis, dass der Konsum tierischer Lebensmittel vor allem in Europa, Amerika und Ozeanien deutlich sinken müsste, wenn die Tierhaltung auf verfügbare Reststoff- und Grasressourcen begrenzt würde. In Teilen Afrikas und Asiens könnte die Versorgung dagegen zunächst erhalten bleiben oder sogar steigen.


Eine globale Verringerung der Tierhaltung müsste daher nicht bedeuten, dass alle Menschen ihren Konsum im gleichen Verhältnis reduzieren. Aus Sicht der Ernährungssicherung wäre entscheidend, wo tierische Lebensmittel tatsächlich einen relevanten Beitrag zur Nährstoffversorgung leisten und wo bereits große Mengen konsumiert werden.


Auch die Reststoffmenge ist nicht unveränderlich

Die mögliche Tierproduktion hängt zudem davon ab, welche Nebenprodukte künftig überhaupt entstehen.

Essen Menschen mehr Vollkornprodukte, fällt unter anderem weniger Kleie als separater Stoffstrom an. Werden Verfahren entwickelt, mit denen Proteine direkt aus bisher nicht nutzbaren Pflanzenbestandteilen gewonnen werden können, stehen diese Stoffe möglicherweise für die menschliche Ernährung zur Verfügung. Sinkt die Lebensmittelverschwendung, verringert sich zugleich die Menge der Reste, die an Tiere verfüttert oder in Biogasanlagen genutzt werden könnten.


Das führt zu einem scheinbaren Widerspruch: Ein effizienteres Ernährungssystem produziert weniger vermeidbare Abfälle – und stellt damit zugleich weniger Futter für eine kreislauforientierte Tierhaltung bereit.

Dieser Rückgang wäre jedoch kein Nachteil. Die direkte Vermeidung eines Lebensmittelverlustes ist in der Regel sinnvoller, als das bereits erzeugte Lebensmittel zunächst zu verlieren und anschließend einen Teil seiner Energie über ein Tier zurückzugewinnen.


Auch eine kreislauforientierte Tierhaltung wäre deshalb kein starres System. Ihre mögliche Größe würde sich fortlaufend verändern, wenn Lebensmittelproduktion, Verarbeitung und Abfallvermeidung effizienter werden.


Eine Ergänzung – nicht die Grundlage der Welternährung

Die untersuchten Modelle zeigen, dass Nutztiere aus Gras, Nebenprodukten und Reststoffen eine relevante Menge Nahrung bereitstellen könnten. Sie zeigen aber ebenso, dass diese Ressourcen begrenzt sind und keine beliebig große Tierhaltung ermöglichen.


Der entscheidende Gedanke lautet daher nicht, dass Tiere in einem nachhaltigen Ernährungssystem überhaupt keinen Platz haben könnten. Er lautet vielmehr, dass ihre Zahl und ihre Produktion nicht größer sein sollten als die Menge der Ressourcen, die sie ohne erhebliche Konkurrenz zur menschlichen Ernährung sinnvoll verwerten können.


Sobald die gewünschte Menge an Fleisch, Milch und Eiern diese Grenze überschreitet, müssen wieder menschlich nutzbare Ackerpflanzen angebaut und verfüttert werden. An diesem Punkt werden Tiere von Verwertern verbleibender Biomasse zu Konkurrenten um Nahrung und produktive Ackerflächen.


Doch wie groß sind die Verluste, wenn Getreide, Mais oder Hülsenfrüchte nicht direkt zu menschlichen Lebensmitteln verarbeitet, sondern zunächst an Tiere verfüttert werden?


Wie viel der eingesetzten Energie und des Proteins gelangt über diesen Umweg tatsächlich zurück auf den menschlichen Teller?


Stellen wir uns vor, dass 100 Kilokalorien aus Mais, Weizen oder einer anderen Ackerpflanze im Futtertrog landen. Wie viele davon finden wir später in Fleisch, Milch oder Eiern wieder?


Eine einzige, für alle Tiere und Produktionssysteme gültige Antwort gibt es darauf nicht. Rinder, Schweine und Hühner unterscheiden sich erheblich in ihrem Stoffwechsel. Auch Haltung, Fütterung, Lebensdauer, Zucht und das erzeugte Lebensmittel beeinflussen das Ergebnis.


Das Grundprinzip bleibt jedoch immer gleich: Nur ein Teil der aufgenommenen Energie und des Proteins wird in für Menschen essbare Produkte umgewandelt.


Von 100 Pflanzenkalorien kommen nur wenige zurück

Cassidy und Kollegen untersuchten, wie die weltweit erzeugten Pflanzenkalorien verwendet werden. Nach ihrer auf damaligen globalen Agrardaten beruhenden Analyse wurden rund 36 Prozent der von Nutzpflanzen bereitgestellten Kalorien als Tierfutter eingesetzt.


Von diesen verfütterten Pflanzenkalorien gelangten im globalen Durchschnitt nur etwa 12 Prozent über Fleisch, Milch und Eier zurück in die menschliche Ernährung.


Vereinfacht bedeutet das: Von 100 Kalorien aus verfütterten Nutzpflanzen erschienen später ungefähr 12 Kalorien in tierischen Lebensmitteln. Rund 88 Kalorien standen nicht mehr als menschliche Nahrungsenergie zur Verfügung.

Diese Energie ist physikalisch nicht verschwunden. Ein großer Teil wurde für den Stoffwechsel des Tieres, seine Körpertemperatur, Bewegung, Verdauung und andere Lebensfunktionen benötigt. Weitere Anteile verblieben in Ausscheidungen oder Körperbestandteilen, die nicht als Lebensmittel genutzt wurden.


Aus Sicht der menschlichen Ernährung handelt es sich dennoch um einen erheblichen Verlust: Energie, die zunächst in einer Ackerpflanze enthalten war, erreicht den menschlichen Teller nicht.


Rindfleisch weist besonders hohe Verluste auf

Wie unterschiedlich die Konversion zwischen einzelnen Tierproduktgruppen ausfällt, zeigt eine Untersuchung von Shepon und Kollegen. Die Forschenden rekonstruierten die Energie- und Proteinströme der US-amerikanischen Tierhaltung auf Grundlage von Daten aus den Jahren 2000 bis 2010.


Bei der Nahrungsenergie ergaben sich folgende durchschnittliche Konversionseffizienzen:

  • Bei Rindfleisch gelangten etwa 3 Prozent der Futterenergie in das verzehrte Lebensmittel.
  • Bei Schweinefleisch waren es ungefähr 9 Prozent.
  • Bei Geflügelfleisch wurden rund 13 Prozent erreicht.
  • Milch und Eier kamen jeweils auf etwa 17 Prozent.


Anders ausgedrückt: Für 100 Kalorien Rindfleisch wurden im untersuchten Produktionssystem Futterquellen mit insgesamt etwa 3.300 Kalorien benötigt. Bei Schweinefleisch waren es ungefähr 1.100 und bei Geflügelfleisch rund 770 Kalorien. Milch und Eier benötigten rechnerisch jeweils knapp 600 Futterkalorien, um 100 Kalorien im verzehrten Lebensmittel bereitzustellen.


Über alle untersuchten Tierproduktgruppen hinweg gelangten nur etwa 7 Prozent der eingesetzten Futterenergie in Form verzehrter tierischer Lebensmittel zurück.

Diese Zahlen beschreiben das damalige US-amerikanische Produktionssystem und dürfen nicht unverändert auf jeden Betrieb und jedes Land übertragen werden. Sie enthalten außerdem Gras, Raufutter und andere Futtermittel, die Menschen nicht unmittelbar essen können. Die Ergebnisse zeigen daher zunächst die biologische Konversion des gesamten Futters und nicht ausschließlich den Verlust menschlich essbarer Pflanzen.


Gerade deshalb müssen sie gemeinsam mit den vorherigen Abschnitten gelesen werden: Eine geringe Konversion von Gras ist nicht dasselbe wie die geringe Konversion von Weizen, Maiskörnern oder Hülsenfrüchten. Für die menschliche Nahrungsversorgung wird der Verlust besonders relevant, wenn essbare Pflanzen oder Futter von produktiven Ackerflächen eingesetzt werden.


Auch beim Protein bleibt nur ein Teil erhalten

Protein wird bei der Diskussion über Tierhaltung häufig als besonderer Vorteil tierischer Lebensmittel angeführt. Fleisch, Milch und Eier liefern gut verdauliches Protein mit einem günstigen Muster essenzieller Aminosäuren.

Das ändert jedoch nichts daran, dass auch bei der Umwandlung von Futterprotein erhebliche Mengen verloren gehen.

In der Untersuchung von Shepon und Kollegen gelangten je nach Tierprodukt ungefähr folgende Anteile des eingesetzten Futterproteins in die menschliche Ernährung:

  • etwa 3 Prozent bei Rindfleisch,
  • ungefähr 9 Prozent bei Schweinefleisch,
  • rund 20 Prozent bei Geflügelfleisch,
  • etwa 14 Prozent bei Milch,
  • ungefähr 31 Prozent bei Eiern.


Über die gesamte untersuchte US-Tierhaltung hinweg wurden aus rund 63 Millionen Tonnen Futterprotein etwa 4,7 Millionen Tonnen verzehrbares tierisches Protein. Das entsprach einer durchschnittlichen Proteinkonversion von ungefähr 8 Prozent.

Auch diese Werte beziehen sich auf das gesamte eingesetzte Futterprotein und nicht ausschließlich auf Protein aus unmittelbar essbaren Pflanzen. Bei stark grasbasierten Systemen kann ein Tier daher trotz einer geringen Gesamtumwandlung mehr menschlich nutzbares Protein erzeugen, als es in Form direkt essbarer Futtermittel aufgenommen hat.


Werden dagegen Getreide oder hochwertige Eiweißpflanzen verfüttert, wird der Verlust unmittelbar für die Nahrungskonkurrenz relevant. Von 100 Gramm Futterprotein erreicht dann – abhängig von Tierart und Produktionssystem – häufig nur ein deutlich kleinerer Anteil den menschlichen Teller.


Proteinqualität hebt den Mengenverlust nicht auf

Ein Gramm pflanzliches Protein ist ernährungsphysiologisch nicht unter allen Bedingungen exakt mit einem Gramm tierischem Protein gleichzusetzen. Verdaulichkeit und Aminosäurezusammensetzung können sich unterscheiden.

Daraus folgt jedoch nicht, dass die großen Mengenverluste durch die höhere durchschnittliche Proteinqualität tierischer Lebensmittel ausgeglichen würden. Auch pflanzliche Lebensmittel können alle essenziellen Aminosäuren bereitstellen. Entscheidend sind die gesamte Ernährung, eine ausreichende Proteinzufuhr und die Kombination verschiedener Proteinquellen.


Bei einer Bewertung der weltweiten Nahrungsversorgung müssen deshalb sowohl die Proteinqualität als auch die insgesamt verfügbare Proteinmenge berücksichtigt werden. Eine geringfügig bessere Verwertbarkeit kann relevant sein, verwandelt aber eine Konversion von beispielsweise 10 oder 20 Prozent nicht in eine verlustfreie Nutzung.


Auch die direkte Verarbeitung ist nicht verlustfrei

Der direkte Weg von der Pflanze zum Menschen erreicht ebenfalls keine Effizienz von 100 Prozent. Bei Ernte, Lagerung, Transport und Verarbeitung entstehen Verluste. Nicht alle Bestandteile einer Pflanze werden gegessen, und auch in privaten Haushalten werden Lebensmittel weggeworfen.


Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass beim direkten Weg die zusätzliche Stoffwechselstufe des Tieres entfällt.

Getreide kann zu Brot, Nudeln oder anderen Lebensmitteln verarbeitet werden. Sojabohnen können unter anderem zu Tofu, Tempeh oder Sojadrink werden. Hülsenfrüchte können gekocht oder zu Mehl, Aufstrichen und weiteren Produkten verarbeitet werden. Auch dabei entstehen Nebenprodukte und Verluste – doch ein großer Teil der in den Pflanzen enthaltenen Energie und des Proteins bleibt unmittelbar für die menschliche Ernährung verfügbar.


Beim Weg über das Tier kommen zu den landwirtschaftlichen und technischen Verlusten noch die unvermeidbaren biologischen Aufwendungen des tierischen Organismus hinzu.


Wie viele Menschen könnten die Pflanzen stattdessen ernähren?

Cassidy und Kollegen berechneten auf Grundlage der damaligen globalen Pflanzenproduktion auch ein theoretisches Alternativszenario. Würden Nutzpflanzen vorrangig für die direkte menschliche Ernährung angebaut und deutlich weniger Pflanzen als Tierfutter oder für Biokraftstoffe eingesetzt, könnte die weltweit verfügbare Nahrungsenergie nach ihrer Modellierung um bis zu 70 Prozent steigen.


Rein rechnerisch entspräche diese zusätzliche Energiemenge dem damaligen Kalorienbedarf von ungefähr vier Milliarden Menschen.


Diese Zahl bedeutet nicht, dass durch eine veränderte Verwendung der Ernten automatisch vier Milliarden Menschen zusätzlich ernährt würden. Sie beschreibt ein theoretisches Produktionspotenzial auf Grundlage der damaligen Erntemengen und Modellannahmen. Zudem würden nicht alle heute angebauten Futtersorten unverändert als menschliche Lebensmittel dienen. In vielen Regionen müssten andere Sorten und teilweise andere Pflanzen angebaut, Verarbeitungsstrukturen verändert und Lieferketten neu organisiert werden.


Trotzdem verdeutlicht die Größenordnung den grundlegenden Zusammenhang: Ein erheblicher Teil der weltweiten Ackerproduktion wird gegenwärtig in einen biologischen Konversionsprozess gelenkt, bei dem der größte Teil der enthaltenen Nahrungsenergie nicht als menschliches Lebensmittel zurückkehrt.


Damit könnten durch eine stärker pflanzenbetonte Ernährung grundsätzlich mehr Kalorien und mehr Protein für Menschen zur Verfügung stehen, ohne die gesamte landwirtschaftliche Produktion im gleichen Verhältnis steigern zu müssen.

Doch eine größere rechnerisch verfügbare Nahrungsmenge beantwortet noch nicht die Frage, wer Zugang zu dieser Nahrung erhält.


Warum bedeutet ein größeres globales Nahrungsangebot nicht automatisch weniger Hunger – und welche Rolle spielen Armut, Landrechte und die Kontrolle über landwirtschaftliche Flächen?


Eine landwirtschaftliche Fläche kann mehr Nahrung hervorbringen als zuvor – und die Ernährungssicherheit der Menschen in ihrer Umgebung kann sich dennoch verschlechtern.

Was zunächst widersprüchlich klingt, führt zu einem entscheidenden Unterschied: Nahrung kann vorhanden sein, ohne für alle Menschen erreichbar zu sein.


Eine Rekordernte füllt Lagerhäuser und Handelsbilanzen. Sie füllt aber nicht automatisch den Teller einer Familie, die kein ausreichendes Einkommen besitzt, ihre Anbaufläche verloren hat oder durch einen Krieg von den regionalen Märkten abgeschnitten wurde.


Ernährungssicherheit ist mehr als eine ausreichende Ernte

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen unterscheidet vier miteinander verbundene Voraussetzungen für Ernährungssicherheit:

  • Nahrung muss in ausreichender Menge verfügbar sein.
  • Menschen müssen körperlichen und wirtschaftlichen Zugang zu ihr besitzen.
  • Die verfügbaren Lebensmittel müssen sicher, nährstoffreich und gesundheitlich nutzbar sein.
  • Dieser Zugang muss dauerhaft stabil bleiben und darf nicht bei der nächsten Krise zusammenbrechen.


Neuere Konzepte ergänzen zwei weitere Gesichtspunkte: Nachhaltigkeit und die Möglichkeit der Menschen, über ihre Ernährung und ihr Ernährungssystem mitzuentscheiden.

Die im vorherigen Abschnitt berechnete zusätzliche Nahrungsmenge betrifft zunächst nur die erste Voraussetzung: die globale Verfügbarkeit.


Würden weniger Ackerpflanzen verfüttert, könnten grundsätzlich mehr Kalorien und mehr Protein als menschliche Lebensmittel bereitgestellt werden. Ob diese Nahrung anschließend die Menschen erreicht, die sie benötigen, hängt jedoch von Einkommen, Preisen, Infrastruktur, politischen Entscheidungen und Eigentumsverhältnissen ab.


Menschen hungern häufig nicht, weil überhaupt keine Nahrung vorhanden ist

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Amartya Sen zeigte bereits in seinen Untersuchungen historischer Hungersnöte, dass Hunger nicht zwingend durch einen absoluten Mangel an Lebensmitteln entsteht. Menschen können ihren Zugang zu Nahrung verlieren, obwohl auf nationaler oder regionaler Ebene weiterhin ausreichend Lebensmittel vorhanden sind.

Arbeitslosigkeit, sinkende Löhne, steigende Lebensmittelpreise, der Verlust eigener Anbauflächen oder der Zusammenbruch lokaler Märkte können dazu führen, dass sich Haushalte vorhandene Nahrung nicht mehr leisten können.


Der Bericht The State of Food Security and Nutrition in the World 2026 schätzt, dass im Jahr 2025 etwa 645 Millionen Menschen von Hunger betroffen waren. Rund 2,1 Milliarden Menschen hatten keinen regelmäßigen Zugang zu ausreichender, sicherer und nährstoffreicher Nahrung. Etwa 2,69 Milliarden Menschen konnten sich nicht einmal die jeweils kostengünstigste Form einer gesunden Ernährung leisten.


Diese Zahlen bestehen nebeneinander, weil Hunger unterschiedliche Abstufungen besitzt. Nicht jeder Mensch, der sich keine ausgewogene Ernährung leisten kann, leidet bereits unter einem dauerhaften Kalorienmangel. Viele Menschen müssen jedoch auf preiswerte, wenig abwechslungsreiche Lebensmittel ausweichen, Mahlzeiten verkleinern oder zeitweise ganz ausfallen lassen.


Mehr Nahrung kann Preise dämpfen und die Versorgung widerstandsfähiger machen. Ohne ausreichendes Einkommen und funktionierende Verteilungsstrukturen bleibt dieser Vorteil für viele Menschen dennoch theoretisch.


Kriege, Krisen und Klimaveränderungen unterbrechen den Zugang

Zu den wichtigsten Ursachen akuter und chronischer Ernährungsunsicherheit gehören bewaffnete Konflikte, wirtschaftliche Krisen, hohe Lebensmittelpreise, klimatische Extremereignisse und Vertreibung.


Kriege zerstören Felder, Bewässerungsanlagen, Straßen, Lagerhäuser und Märkte. Sie verhindern die Aussaat, unterbrechen Handelswege und zwingen Menschen, ihre Heimat zu verlassen. Dürren, Überschwemmungen und andere Extremereignisse können gleichzeitig Ernten vermindern und die Einkommen landwirtschaftlicher Haushalte einbrechen lassen.


Wirtschaftliche Krisen wirken wiederum selbst dann, wenn Lebensmittel weiterhin in den Geschäften liegen. Steigen die Preise schneller als die Einkommen, sinkt die Menge und Qualität der Lebensmittel, die sich ärmere Haushalte leisten können.

Ein effizienterer Umgang mit Ackerpflanzen kann solche Probleme nicht allein lösen. Er kann jedoch die verfügbare Nahrungsmenge erhöhen, die Abhängigkeit von Futtermittelimporten verringern und zusätzliche Reserven schaffen. Damit könnte das Ernährungssystem widerstandsfähiger werden – vorausgesetzt, die frei werdenden Ressourcen werden tatsächlich für die menschliche Versorgung genutzt.


Für Kleinbauern ist Land mehr als eine Produktionsfläche

Besonders deutlich wird die Bedeutung des Zugangs bei den landwirtschaftlichen Flächen selbst.

Für viele kleinbäuerliche Haushalte ist Land zugleich Nahrungsquelle, Arbeitsplatz, Einkommen, soziale Absicherung und kultureller Lebensraum. Hinzu kommen gemeinsam genutzte Weiden, Wälder und Wasserstellen, die in amtlichen Dokumenten nicht immer als privates Eigentum erfasst sind.


Verliert eine Familie den Zugang zu diesen Ressourcen, verliert sie nicht nur eine bestimmte Erntemenge. Sie verliert möglicherweise die Möglichkeit, sich selbst zu versorgen, Tiere zu halten, Brennmaterial zu sammeln oder durch den Verkauf eines Teils ihrer Ernte ein Einkommen zu erzielen.


Eine finanzielle Entschädigung kann diesen Verlust nur dann ausgleichen, wenn sie angemessen ist, verlässlich gezahlt wird und eine langfristige neue Lebensgrundlage ermöglicht. Das ist bei großflächigen Landübernahmen nicht immer gewährleistet.


Wenn mehr produziert und die lokale Ernährung trotzdem schlechter wird

Seit Beginn der 2000er-Jahre wurden in zahlreichen Ländern große landwirtschaftliche Flächen an ausländische und inländische Unternehmen, Investmentfonds oder staatliche Akteure verkauft, verpachtet oder konzessioniert. Solche Vorgänge werden neutral als großflächige Landakquisitionen bezeichnet. Von „Land Grabbing“ oder Landnahme wird insbesondere dann gesprochen, wenn Rechte der ansässigen Bevölkerung missachtet, gemeinschaftlich genutzte Flächen entzogen oder Menschen ohne angemessene Beteiligung und Entschädigung verdrängt werden.


Solche Investitionen können Kapital, Arbeitsplätze, Infrastruktur und landwirtschaftliches Wissen in eine Region bringen. Ihre Auswirkungen sind jedoch sehr unterschiedlich. Entscheidend ist, wem das Land zuvor zur Verfügung stand, welche Rechte anerkannt werden, was anschließend angebaut wird und wer von der Produktion profitiert.


Müller und Kollegen untersuchten 160 großflächige Landübernahmen in 39 Ländern. Ihre Analyse verband Daten zu den Landgeschäften mit Satellitenaufnahmen, landwirtschaftlichen Erträgen und Haushaltsbefragungen.

Die Ergebnisse zeigten ein bemerkenswertes Paradox: In einigen Regionen nahmen die bewirtschaftete Fläche und die landwirtschaftliche Produktion zu. Gleichzeitig verschob sich der geplante Anbau häufig von lokalen Grundnahrungsmitteln zu exportorientierten Pflanzen, die viel Energie, aber teilweise weniger ernährungsphysiologisch wichtige Nährstoffe bereitstellten.


Für Haushalte im Umfeld von 28 untersuchten Landgeschäften in elf Ländern südlich der Sahara beobachteten die Forschenden zugleich eine abnehmende Vielfalt der verzehrten Lebensmittel. Aufgrund der verfügbaren Befragungsdaten lässt sich daraus keine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung für jedes einzelne Landgeschäft ableiten. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass eine steigende kommerzielle Produktion und eine sinkende lokale Ernährungsvielfalt gleichzeitig auftreten können.


Die Auswirkungen unterschieden sich deutlich nach Region. In den untersuchten Gebieten Lateinamerikas und Osteuropas fanden die Forschenden nur geringe zusätzliche Auswirkungen auf die lokale Ernährungssicherheit, weil dort vielfach bereits zuvor exportorientierte Landwirtschaft betrieben wurde. In Teilen Asiens und Afrikas waren die Veränderungen der Flächennutzung und der lokalen Ernährung dagegen ausgeprägter.


Nicht jede großflächige Landübernahme dient der Futtermittelproduktion

Für unseren Zusammenhang ist eine wichtige Einschränkung notwendig: Die untersuchten Landgeschäfte dienten keineswegs ausschließlich oder überwiegend der Erzeugung von Tierfutter.


Auf den Flächen sollten unter anderem Nahrungsmittel, Energiepflanzen, Holz, industrielle Rohstoffe und sogenannte Flex Crops angebaut werden. Zu diesen vielseitig verwendbaren Pflanzen gehören beispielsweise Mais, Soja, Zuckerrohr und Ölpalmen. Abhängig von Marktpreisen und Nachfrage können ihre Erzeugnisse als Lebensmittel, Tierfutter, Biokraftstoff oder industrieller Rohstoff eingesetzt werden.


Es wäre daher nicht gerechtfertigt, großflächige Landübernahmen in Afrika, Asien oder Südamerika pauschal der globalen Tierhaltung zuzuschreiben.


Dennoch kann die internationale Nachfrage nach Futtermitteln Teil dieser Entwicklung sein. Wo Ackerflächen für exportorientierten Mais- oder Sojaanbau genutzt werden, können lokale Nahrungspflanzen, Weideflächen oder gemeinschaftliche Nutzungen verdrängt werden. Ob daraus Hunger entsteht, hängt jedoch nicht allein vom angebauten Produkt ab, sondern vor allem davon, ob die ansässige Bevölkerung ihre Landrechte, ihr Einkommen und ihren Zugang zu Nahrung behält.


Eine pflanzenbetontere Ernährung kann Druck verringern – aber keine Landrechte ersetzen

Wenn wohlhabende Gesellschaften weniger tierische Lebensmittel konsumieren, sinkt grundsätzlich der Bedarf an Futtermitteln und den dafür genutzten Ackerflächen. Dadurch könnte sich der wirtschaftliche Druck verringern, immer neue Flächen für die internationale Futterproduktion zu erschließen.


Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass zuvor verlorenes Land an lokale Gemeinschaften zurückgegeben wird. Frei werdende Flächen können ebenso für Biokraftstoffe, industrielle Rohstoffe, andere Exportprodukte oder neue Investitionsprojekte verwendet werden.


Eine stärker pflanzenbetonte Ernährung kann deshalb einen wichtigen Beitrag leisten, die globale Nahrungskonkurrenz und den Flächenbedarf zu reduzieren. Damit daraus eine bessere Ernährungssicherheit entsteht, sind jedoch weitere Maßnahmen erforderlich:

  • Land- und Nutzungsrechte müssen rechtlich anerkannt und geschützt werden.
  • Betroffene Gemeinschaften müssen an Entscheidungen beteiligt werden.
  • Verdrängung und Enteignung benötigen wirksame rechtliche Kontrollen.
  • Kleinbäuerliche Betriebe brauchen Zugang zu Wasser, Saatgut, Beratung, Krediten und regionalen Märkten.
  • Straßen, Lagerung und Kühlung müssen so ausgebaut werden, dass Lebensmittel die Menschen erreichen.
  • Soziale Sicherung und ausreichende Einkommen müssen gewährleisten, dass vorhandene Nahrung auch bezahlbar ist.
  • Konflikte, wirtschaftliche Instabilität und klimatische Risiken müssen als eigenständige Ursachen des Hungers berücksichtigt werden.


Damit wird der Zusammenhang klarer: Die direkte Nutzung von Ackerpflanzen kann die weltweit verfügbare Nahrungsmenge erheblich erhöhen. Ob daraus weniger Hunger entsteht, entscheidet sich aber nicht allein auf dem Acker.

Es entscheidet sich ebenso an der Frage, wem das Land gehört, wer über seine Nutzung bestimmen darf, was darauf angebaut wird und wer sich die erzeugten Lebensmittel leisten kann.

Die Konversionsverluste der Tierfütterung sind damit ein relevanter Teil des globalen Ernährungsproblems – aber nicht seine alleinige Ursache.


Was folgt aus all diesen Erkenntnissen für unsere Ausgangsfrage: Sollten wir Pflanzen direkt essen oder können wir sie sinnvoll über Tiere verwerten?


Die Antwort hängt davon ab, welche Pflanzen wir betrachten, auf welcher Fläche sie wachsen und welches Ziel wir verfolgen.

Wenn es darum geht, auf einer begrenzten Ackerfläche möglichst viel Nahrung für Menschen bereitzustellen, ist die direkte Nutzung von Pflanzen in der Regel der effizientere Weg. Werden Getreide, Mais, Sojabohnen oder andere grundsätzlich nutzbare Ackerpflanzen zunächst verfüttert, gelangt nur ein Teil ihrer Energie und ihres Proteins über Fleisch, Milch oder Eier zurück.


Gleichzeitig können Nutztiere einen Beitrag zur menschlichen Ernährung leisten, wenn sie Biomasse verwerten, die uns sonst nicht oder nur schwer als Nahrung zur Verfügung stünde.

Beide Aussagen sind richtig. Der scheinbare Widerspruch entsteht erst, wenn sehr unterschiedliche Fütterungssysteme miteinander vermischt werden.


Direkt nutzbare Pflanzen sollten vorrangig Menschen ernähren

Eine Sojabohne muss nicht als ganze Bohne auf dem Teller landen, um der menschlichen Ernährung zu dienen. Sie kann zu Tofu, Tempeh, Sojadrink, Mehl oder anderen Lebensmitteln verarbeitet werden. Dasselbe gilt für Getreide, Hülsenfrüchte und zahlreiche weitere Ackerpflanzen.


Nicht jede für Tierfutter angebaute Sorte oder jede einzelne Erntecharge erfüllt unmittelbar die Anforderungen der Lebensmittelproduktion. Daraus folgt aber nicht, dass die Fläche ausschließlich für Tierfutter geeignet wäre. Langfristig könnten dort andere Sorten oder andere Nahrungspflanzen angebaut werden.

Bei der Frage nach der Nahrungskonkurrenz dürfen wir deshalb nicht nur auf das aktuell geerntete Produkt schauen. Wir müssen das gesamte Produktionssystem betrachten.


Wächst auf gutem Ackerland Futtermais, ist nicht allein entscheidend, ob Menschen die daraus hergestellte Silage essen könnten. Entscheidend ist, dass dieselbe Fläche möglicherweise auch Getreide, Kartoffeln, Hülsenfrüchte oder andere Lebensmittel hervorbringen könnte.


Werden menschlich nutzbare Pflanzen verfüttert oder eigens Futterpflanzen auf produktivem Ackerland angebaut, spricht daher vieles für den direkten Weg: erst die menschliche Ernährung, dann die Nutzung der unvermeidbaren Nebenströme.


Tiere können ergänzen, was nach der Lebensmittelproduktion verbleibt

Anders sieht die Bilanz aus, wenn Tiere überwiegend Ressourcen nutzen, die nicht sinnvoll in menschliche Lebensmittel umgewandelt werden können.


Dazu können Gras von nicht ackerfähigen Flächen, bestimmte Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung und ein begrenzter Teil unvermeidbarer Reststoffe gehören. In solchen Fällen erzeugt das Tier trotz seiner biologischen Konversionsverluste zusätzliche menschlich nutzbare Nahrung.

Das Tier erschafft dabei keine neue Energie. Es wandelt einen Teil der Energie und der Nährstoffe aus einer für Menschen nicht nutzbaren Biomasse in essbare Produkte um.


Aus Sicht der menschlichen Ernährung kann das ein Netto-Gewinn sein. Voraussetzung ist jedoch, dass die verwendete Biomasse nicht auf einem sinnvolleren Weg als Lebensmittel genutzt werden könnte und ihre Verwendung keine zusätzlichen Ackerflächen für den Futteranbau erforderlich macht.


Auch alternative Nutzungen müssen berücksichtigt werden. Ein Reststoff kann möglicherweise als Lebensmittelzutat, industrieller Rohstoff, Bodenverbesserer oder Energieträger dienen. Die Verfütterung ist deshalb eine mögliche Form der Verwertung – nicht automatisch die beste.


Die Tierart allein entscheidet nicht über die Nahrungskonkurrenz

Häufig wird Geflügel als besonders effizient und Rindfleisch als besonders ineffizient beschrieben. Bezogen auf die allgemeine Futterverwertung ist das zutreffend: Hühner benötigen deutlich weniger Futter für eine bestimmte Menge Fleisch als Rinder.


Für die Nahrungskonkurrenz ergibt sich jedoch ein komplizierteres Bild.

Geflügel und Schweine verwerten ihr Futter vergleichsweise effizient, erhalten in modernen Produktionssystemen aber häufig große Mengen Getreide und eiweißreiche Ackerpflanzen. Sie können daher trotz ihrer besseren Futterverwertung unmittelbar mit der menschlichen Ernährung konkurrieren.


Wiederkäuer weisen eine erheblich schlechtere biologische Konversion auf. Werden sie jedoch überwiegend auf nicht ackerfähigem Grünland gehalten, können sie Pflanzenmasse nutzen, die Menschen nicht verdauen können.

Daraus folgt weder, dass Rindfleisch grundsätzlich ressourcenschonend ist, noch dass Geflügelfleisch grundsätzlich die beste Nutzung von Ackerpflanzen darstellt. Entscheidend sind Futterzusammensetzung, Flächennutzung und die Menge des erzeugten Produktes.


Hinzu kommen weitere Umweltwirkungen. Eine grasbasierte Rinderhaltung kann eine geringe direkte Nahrungskonkurrenz aufweisen und trotzdem erhebliche Methanemissionen verursachen oder Flächen beanspruchen, die für die Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme genutzt werden könnten.

Eine einzelne Kennzahl kann deshalb nie das gesamte Ernährungssystem bewerten.


Aus einer Produktionsentscheidung wird eine Reihenfolge

Aus den untersuchten Forschungsergebnissen lässt sich eine grundsätzliche Rangfolge ableiten:

  1. Zunächst sollten vermeidbare Lebensmittelverluste verhindert werden.
  2. Für Menschen geeignete Pflanzen und Pflanzenteile sollten vorrangig der menschlichen Ernährung dienen.
  3. Bei der Verarbeitung anfallende Bestandteile sollten daraufhin geprüft werden, ob sie zu weiteren Lebensmitteln oder anderen hochwertigen Produkten verarbeitet werden können.
  4. Geeignete, nicht anderweitig nutzbare Nebenprodukte und Reststoffe können von Tieren verwertet werden.
  5. Weitere organische Reststoffe können je nach Beschaffenheit energetisch genutzt, kompostiert oder zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit eingesetzt werden.


Diese Reihenfolge ist keine starre Vorschrift. Welche Verwendung im Einzelfall am sinnvollsten ist, hängt von Transportwegen, Verarbeitungsmöglichkeiten, Nährstoffgehalten, regionalen Strukturen und Umweltwirkungen ab.

Sie verdeutlicht jedoch ein anderes Verständnis von Tierhaltung: Tiere stehen nicht mehr am Anfang der Planung, sondern am Ende einer Nutzungskette.


Zuerst wird ermittelt, welche Nahrung Menschen benötigen und welche Pflanzen dafür angebaut werden können. Anschließend zeigt sich, welche Nebenprodukte, Reststoffe und Grasressourcen übrig bleiben. Diese Ressourcen bestimmen dann, wie viele Tiere ernährt werden könnten.


Die Nachfrage dürfte nicht länger die Futtermenge bestimmen

Im gegenwärtigen System geschieht häufig das Gegenteil. Die Nachfrage nach Fleisch, Milch und Eiern legt fest, wie viele Tiere gehalten werden. Anschließend müssen die erforderlichen Futtermittel bereitgestellt werden – notfalls durch zusätzlichen Ackerbau, Importe und die Erschließung weiterer Flächen.


Genau an dieser Stelle entstehen die großen Konversionsverluste und die Nahrungskonkurrenz.

Eine kreislauforientierte Tierhaltung würde diese Logik umkehren. Nicht die gewünschte Menge tierischer Lebensmittel bestimmt den Futteranbau. Die nach der menschlichen Lebensmittelproduktion verbleibenden Ressourcen begrenzen die mögliche Tierproduktion.


Das hätte unterschiedliche Folgen für verschiedene Weltregionen. In wohlhabenden Ländern mit einem hohen Konsum tierischer Lebensmittel wären deutliche Reduktionen notwendig. In Regionen mit einer sehr geringen Versorgung, eingeschränkten Anbaumöglichkeiten oder einer großen Bedeutung pastoralistischer Systeme könnte Tierhaltung dagegen weiterhin einen wichtigen Beitrag zu Ernährung und Einkommen leisten.

Eine globale Strategie sollte daher nicht allen Menschen dieselbe Ernährungsweise vorschreiben. Sie sollte dort ansetzen, wo besonders viele menschlich nutzbare Pflanzen und produktive Flächen für einen hohen Konsum tierischer Lebensmittel eingesetzt werden.


Die Antwort lautet: direkte Nutzung als Regel, tierische Verwertung als begrenzte Ergänzung

Wenn Ackerpflanzen auf direktem Weg zu geeigneten menschlichen Lebensmitteln verarbeitet werden können, ist ihre Verfütterung meist mit erheblichen Verlusten an verfügbarer Energie und Protein verbunden. Für die Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung sollte ihre direkte Nutzung deshalb grundsätzlich Vorrang haben.

Tiere können dennoch Nahrung bereitstellen, wenn sie überwiegend Biomasse mit geringen alternativen Nutzungsmöglichkeiten verwerten. Dieser Beitrag ist wissenschaftlich begründbar, aber durch die vorhandenen Grasflächen, Nebenprodukte und Reststoffe begrenzt.


Damit lautet die Antwort weder, dass jede Tierhaltung zwangsläufig menschliche Nahrung vernichtet, noch, dass Tiere überwiegend etwas fressen, mit dem Menschen ohnehin nichts anfangen könnten.

Die entscheidende Frage ist nicht:

Pflanzen oder Tiere?

Sie lautet:

Welche Pflanzen und Flächen sollten unmittelbar der menschlichen Ernährung dienen – und welche tatsächlich verbleibenden Ressourcen können anschließend noch sinnvoll genutzt werden?

Je konsequenter wir diese Reihenfolge beachten, desto mehr Nahrung kann auf derselben Ackerfläche für Menschen bereitgestellt werden. Der Umweg über Tiere wird dann nicht vollständig ausgeschlossen, aber auf jene Situationen begrenzt, in denen er das menschliche Nahrungsangebot tatsächlich ergänzt.


Fazit


Wenn Ackerpflanzen unmittelbar zu Lebensmitteln für Menschen verarbeitet werden können, ist der direkte Weg in der Regel deutlich effizienter als die Verfütterung.


Bei der tierischen Konversion geht ein großer Teil der eingesetzten Energie und des Proteins für Stoffwechsel, Bewegung, Wärmebildung und andere Lebensfunktionen verloren. Eine stärker pflanzenbetonte Ernährung könnte deshalb auf denselben Ackerflächen mehr menschlich nutzbare Nahrung bereitstellen.


Nutztiere können das Nahrungsangebot dennoch sinnvoll ergänzen, wenn sie überwiegend Gras von nicht ackerfähigen Flächen sowie tatsächlich nicht anderweitig nutzbare Nebenprodukte und Reststoffe verwerten. Die verfügbare Menge dieser Ressourcen ist jedoch begrenzt. In einem kreislauforientierten Ernährungssystem würde daher nicht die Nachfrage nach Fleisch, Milch und Eiern den Futteranbau bestimmen. Vielmehr würden die nach der menschlichen Lebensmittelproduktion verbleibenden Ressourcen die mögliche Größe der Tierhaltung begrenzen.


Eine größere rechnerisch verfügbare Nahrungsmenge beendet den Hunger allerdings nicht automatisch. Menschen benötigen nicht nur ausreichend produzierte Lebensmittel, sondern auch sicheren Zugang zu Land, Einkommen, Märkten und bezahlbarer Nahrung. Konflikte, Armut, Vertreibung und der Verlust von Landrechten können Ernährungssicherheit selbst dort verhindern, wo genügend Lebensmittel erzeugt werden.


Nicht jedes Tierfutter wäre unmittelbar für Menschen essbar. Doch sobald menschlich nutzbare Pflanzen oder produktive Ackerflächen für die Tierfütterung eingesetzt werden, verringert der Umweg über das Tier meist die Menge an Nahrung, die insgesamt für Menschen zur Verfügung stehen könnte.


Die entscheidende Reihenfolge lautet deshalb:

Zuerst Nahrung für Menschen erzeugen – und erst anschließend prüfen, welche verbleibenden Ressourcen Tiere noch sinnvoll verwerten können.


Quellen

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🎓 Didaktischer Einsatz im Unterricht (Sekundarstufe II)

Dieser Fachartikel eignet sich für den fächerübergreifenden Unterricht in der Gymnasialen Oberstufe (Sek. II) sowie für vertiefende Facharbeiten. Er ermöglicht eine differenzierte Auseinandersetzung mit biologischen Konversionsprozessen, landwirtschaftlicher Flächennutzung, globaler Ernährungssicherheit und der Aussagekraft unterschiedlicher wissenschaftlicher Kennzahlen.

Relevante Fächer:

  • Biologie
  • Geografie
  • Ernährungswissenschaft
  • Wirtschaft und Sozialwissenschaften
  • Umweltwissenschaften

Mögliche Lehrplan- und Kompetenzbezüge:

  • Biologie: Energie- und Stoffumwandlung in Organismen, Erhaltungsstoffwechsel, Nahrungsketten sowie Verluste bei der Übertragung von Energie und Nährstoffen.
  • Geografie: landwirtschaftliche Flächennutzung, Nutzungskonkurrenzen, globale Waren- und Futtermittelströme, Ernährungssicherheit sowie regionale Unterschiede landwirtschaftlicher Produktionssysteme.
  • Ernährungswissenschaft: Nahrungsenergie, Proteinmenge und Proteinqualität, menschlich essbare Futtermittel sowie die Bewertung unterschiedlicher Wege der Lebensmittelproduktion.
  • Wirtschaft und Sozialwissenschaften: Opportunitätskosten, Ressourcenallokation, Zugang zu Land und Nahrung sowie das Verhältnis zwischen globaler Lebensmittelverfügbarkeit und tatsächlicher Ernährungssicherheit.
  • Umweltwissenschaften: Flächenbedarf, alternative Landnutzungen, Kreislaufwirtschaft, Reststoffverwertung und ökologische Zielkonflikte.
  • Wissenschaftliche Methodenkompetenz: Bezugsgrößen unterscheiden, Modellannahmen erkennen und die Übertragbarkeit globaler Durchschnittswerte auf einzelne Regionen oder Produktionssysteme prüfen.
  • Quellenkritik: Primärstudien, Modellrechnungen und zusammenfassende Berichte hinsichtlich Datengrundlage, Untersuchungszeitraum, Systemgrenzen und Aussagekraft vergleichen.
  • Bewertungs- und Urteilskompetenz: unterschiedliche Formen der Nahrungskonkurrenz abwägen und ökologische, ernährungsphysiologische, wirtschaftliche und soziale Kriterien in ein begründetes Urteil einbeziehen.

Mögliche Impuls- und Arbeitsaufträge für Schülerinnen und Schüler:

  1. Analysieren Sie die im Artikel unterschiedenen Formen der Nahrungskonkurrenz. Arbeiten Sie heraus, welche Bedeutung dabei die unmittelbare Essbarkeit eines Futtermittels, die alternative Nutzbarkeit der Anbaufläche und die Verwertung von Gras, Nebenprodukten und Reststoffen besitzen. Stellen Sie die Zusammenhänge in einem geeigneten Schaubild dar.
  2. Vergleichen und überprüfen Sie anhand ausgewählter Originalquellen aus dem Quellenverzeichnis mindestens zwei der im Artikel verwendeten Kennzahlen, beispielsweise Futterverwertungsrate, Konversion menschlich essbarer Energie oder Proteine, Flächenbedarf und Netto-Nahrungsleistung. Untersuchen Sie, welche Systemgrenzen und Modellannahmen den jeweiligen Ergebnissen zugrunde liegen und welche Schlussfolgerungen dadurch zulässig oder eingeschränkt sind.
  3. Beurteilen Sie die Aussage: „Für eine möglichst ressourceneffiziente Welternährung sollten Ackerpflanzen vorrangig unmittelbar der menschlichen Ernährung dienen, während Tiere nur begrenzt nicht anderweitig nutzbare Biomasse verwerten.“ Berücksichtigen Sie dabei mindestens drei Perspektiven, etwa Ernährungssicherung, landwirtschaftliche Praxis, Flächen- und Reststoffnutzung, Klima- und Naturschutz, regionale Versorgungssysteme oder die Lebensgrundlagen kleinbäuerlicher und pastoralistischer Gemeinschaften.