Angereicherte vegane Lebensmittel – Wie sinnvoll zugesetzte Nährstoffe unsere Ernährung erleichtern können

Autor: Thomas Wiedemann
Stand: 2026

Wer sich vegan ernährt, begegnet früher oder später dem Thema Vitamin B12. Auch Jod, Calcium und Vitamin D verdienen besondere Aufmerksamkeit. Zwar lässt sich eine gut geplante pflanzliche Ernährung mit einer zuverlässigen Vitamin-B12-Versorgung vereinbaren, doch gerade bei der praktischen Umsetzung stellt sich immer wieder eine interessante Frage: Warum werden wichtige Nährstoffe nicht viel häufiger direkt den Lebensmitteln zugesetzt, die wir ohnehin täglich essen?


Diese Frage begegnet mir regelmäßig in Gesprächen mit vegan lebenden Menschen. Erst kürzlich wurde sie bei einer Unterhaltung mit Menschen aufgeworfen, die sich teils erst seit wenigen Wochen, teils bereits seit mehr als zehn Jahren vegan ernähren. Trotz ihrer unterschiedlichen Erfahrungen beschäftigte sie derselbe Gedanke: Wäre die Versorgung mit bestimmten Nährstoffen nicht wesentlich einfacher, wenn beispielsweise Pflanzendrinks, Haferflocken, Tofu oder Hefeflocken gezielt damit angereichert würden?


Die Idee ist keineswegs ungewöhnlich. Lebensmittel werden schon seit Langem mit Vitaminen oder Mineralstoffen angereichert. Ein bekanntes Beispiel ist jodiertes Speisesalz, das zur Verbesserung der Jodversorgung beitragen soll. Auch zahlreiche Pflanzendrinks enthalten bereits zugesetztes Calcium, Vitamin B12 oder Vitamin D.

Doch das Angebot ist uneinheitlich. Während manche Produkte gleich mehrere wichtige Nährstoffe liefern, enthalten andere keinerlei entsprechende Zusätze. Und selbst innerhalb einer Produktgruppe unterscheiden sich die Rezepturen teilweise erheblich.


Dabei könnte eine durchdachte Anreicherung den Alltag erleichtern. Wer regelmäßig geeignete Lebensmittel verzehrt, könnte damit einen relevanten Teil seiner Nährstoffzufuhr abdecken – ganz selbstverständlich beim Frühstück, Mittag- oder Abendessen.



Ich habe mir deshalb angesehen, welche angereicherten veganen Basislebensmittel bereits erhältlich sind, wie viel sie tatsächlich zur Nährstoffversorgung beitragen können und warum solche Produkte bislang nicht stärker verbreitet sind.

Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Vitamine in möglichst viele Lebensmittel zu mischen. Entscheidend ist vielmehr, welche Nährstoffe sinnvoll ergänzt werden können, in welchen Mengen dies geschieht und wo die Grenzen einer solchen Strategie liegen.

Welche Nährstoffe verdienen bei veganer Ernährung besondere Aufmerksamkeit?

Eine gut geplante vegane Ernährung kann den menschlichen Körper mit nahezu allen notwendigen Nährstoffen versorgen. Dennoch gibt es einige Vitamine, Mineralstoffe und Fettsäuren, deren ausreichende Zufuhr besondere Aufmerksamkeit erfordert.


Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt in ihrer 2024 aktualisierten Position neben Vitamin B12 unter anderem Jod, Calcium, Eisen, Zink, Selen, Vitamin D, Vitamin B2, Protein und langkettige Omega-3-Fettsäuren als potenziell kritische Nährstoffe. Auch Vitamin A wird inzwischen als möglicherweise kritisch eingestuft.


Dabei bedeutet „potenziell kritisch“ keineswegs, dass vegan lebende Menschen grundsätzlich einen Mangel an diesen Nährstoffen entwickeln. Der Begriff beschreibt vielmehr Nährstoffe, deren ausreichende Zufuhr oder Versorgung unter bestimmten Ernährungsbedingungen erschwert sein kann.


Entscheidend sind die tatsächliche Lebensmittelauswahl, die aufgenommenen Mengen, die Bioverfügbarkeit und individuelle Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand oder Lebensphase.


Vitamin B12 – Eine besondere Stellung

Vitamin B12 nimmt unter den potenziell kritischen Nährstoffen eine Sonderstellung ein. Es wird von bestimmten Mikroorganismen gebildet und kommt in unverarbeiteten pflanzlichen Lebensmitteln nicht in zuverlässig bedarfsdeckenden Mengen vor.


Für eine sichere Versorgung ist deshalb eine gezielte Zufuhr erforderlich. Die DGE empfiehlt vegan lebenden Menschen weiterhin die regelmäßige Einnahme eines Vitamin-B12-Präparats. Grundsätzlich kann Vitamin B12 jedoch auch über ausreichend und zuverlässig angereicherte Lebensmittel zugeführt werden.

Gerade deshalb ist Vitamin B12 für die gezielte Anreicherung pflanzlicher Basislebensmittel besonders interessant.


Jod – Ein Problem, das nicht nur vegan lebende Menschen betrifft

Jod wird für die Bildung der Schilddrüsenhormone benötigt. Die Versorgung gilt in Deutschland unabhängig von der Ernährungsweise als verbesserungsbedürftig.


Bei veganer Ernährung entfallen mit Fisch und Milchprodukten zwei Lebensmittelgruppen, die zur Jodzufuhr beitragen können. Geeignete Alternativen sind beispielsweise jodiertes Speisesalz, Lebensmittel mit definiertem Jodgehalt und entsprechend angereicherte Pflanzendrinks.


Seit der Aktualisierung der DGE-Referenzwerte im Jahr 2025 beträgt die empfohlene Jodzufuhr für Erwachsene 150 µg täglich.


Ein mit Jod angereicherter Pflanzendrink kann deshalb bereits bei einer gewöhnlichen Portion einen spürbaren Beitrag leisten, ohne dass dafür eine zusätzliche Mahlzeit notwendig wäre.


Calcium – Besonders interessant bei pflanzlichen Milchalternativen

Calcium ist unter anderem für Knochen, Zähne, Muskelfunktion und Signalübertragung im Körper erforderlich.

Pflanzliche Lebensmittel wie Grünkohl, Brokkoli, bestimmte Tofusorten sowie calciumreiches Mineralwasser können zur Versorgung beitragen. Allerdings unterscheiden sich ihre Calciumgehalte teilweise erheblich.


Bei Pflanzendrinks ist eine Anreicherung besonders naheliegend, weil sie häufig anstelle von Kuhmilch verwendet werden.

Ein Pflanzendrink mit 120 mg Calcium pro 100 ml liefert bei einem Glas von 250 ml insgesamt 300 mg Calcium. Bezogen auf die DGE-Empfehlung von 1.000 mg täglich für Erwachsene entspricht dies bereits 30 %.

Das zeigt, wie gezielt angereicherte Lebensmittel dazu beitragen können, die Nährstoffversorgung im Alltag zu erleichtern.


Vitamin D und Vitamin B2 – Zwei unterschiedliche Herausforderungen

Vitamin D nimmt eine Sonderstellung ein, weil der Körper es unter geeigneten Bedingungen durch Sonnenbestrahlung selbst bilden kann. In den sonnenarmen Monaten kann die körpereigene Bildung jedoch unzureichend sein.

Diese Herausforderung betrifft nicht ausschließlich vegan lebende Menschen. Mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel können zur Zufuhr beitragen, ersetzen bei unzureichender Versorgung aber nicht automatisch eine individuell notwendige Supplementation.


Vitamin B2, auch Riboflavin genannt, ist dagegen ein wasserlösliches Vitamin, das unter anderem im Energiestoffwechsel benötigt wird.


Es kommt auch in pflanzlichen Lebensmitteln vor, beispielsweise in Mandeln, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten. Dennoch kann seine Zufuhr bei ungünstiger Lebensmittelauswahl zu gering ausfallen.

Die Kombination von Vitamin B2 und Vitamin D mit Calcium und Vitamin B12 in einem Pflanzendrink ist daher ernährungsphysiologisch sinnvoll.


Eisen, Zink und Selen – Nicht jede Anreicherung ist automatisch vorteilhaft

Eisen, Zink und Selen gehören ebenfalls zu den Nährstoffen, deren Versorgung bei veganer Ernährung besondere Aufmerksamkeit verdienen kann.


Pflanzliche Eisenquellen sind unter anderem Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, Samen und Nüsse. Allerdings wird pflanzliches Nicht-Häm-Eisen im Durchschnitt weniger gut aufgenommen als Häm-Eisen aus tierischen Lebensmitteln. Die gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C kann die Eisenaufnahme verbessern.


Auch Zink ist in zahlreichen pflanzlichen Lebensmitteln enthalten. Seine Bioverfügbarkeit kann jedoch durch Phytat, das unter anderem in Getreide und Hülsenfrüchten vorkommt, vermindert werden.


Bei Selen spielt zusätzlich die unterschiedliche Selenkonzentration landwirtschaftlicher Böden eine Rolle.

Eine Anreicherung könnte in bestimmten Fällen sinnvoll sein. Gerade bei diesen Mineralstoffen muss jedoch sorgfältig auf die Dosierung geachtet werden. Eine unnötig hohe zusätzliche Zufuhr bietet keinen gesundheitlichen Vorteil und kann bei einzelnen Nährstoffen sogar unerwünschte Folgen haben.


Protein und Omega-3-Fettsäuren – Andere Wege der Versorgung

Protein lässt sich bei veganer Ernährung durch eine geeignete Auswahl von Hülsenfrüchten, Sojaprodukten, Getreide, Nüssen und Samen in ausreichender Menge aufnehmen.


Proteinreiche Basislebensmittel wie Sojadrinks können dabei eine praktische Ergänzung sein. Anders als bei Vitamin B12 ist eine zusätzliche Anreicherung jedoch nicht grundsätzlich erforderlich.

Bei den Omega-3-Fettsäuren muss zwischen Alpha-Linolensäure (ALA) sowie den langkettigen Fettsäuren EPA und DHA unterschieden werden.

ALA kommt beispielsweise in Leinsamen, Chiasamen, Walnüssen und Rapsöl vor. Die körpereigene Umwandlung in EPA und insbesondere DHA ist allerdings begrenzt und individuell unterschiedlich.

Mikroalgenöle stellen eine direkte vegane Quelle für EPA und DHA dar. Sie könnten auch zur gezielten Anreicherung geeigneter Lebensmittel verwendet werden, wobei unter anderem ihre Stabilität gegenüber Oxidation berücksichtigt werden muss.


Welche Nährstoffe eignen sich besonders für eine gezielte Anreicherung?

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht erscheint es besonders sinnvoll, solche Nährstoffe zu ergänzen, deren ausreichende Zufuhr bei veganer Ernährung schwieriger sein kann und die sich in geeigneten Lebensmitteln sicher und bedarfsgerecht bereitstellen lassen.


Dazu gehören primär Vitamin B12, Jod, Calcium sowie unter bestimmten Bedingungen Vitamin D und Vitamin B2.

Für andere Nährstoffe hängt der Nutzen einer Anreicherung stärker von der jeweiligen Lebensmittelzusammensetzung, der individuellen Versorgung und der Dosierung ab.



Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie viele zusätzliche Vitamine und Mineralstoffe ein Produkt enthält, sondern ob die Zusammensetzung tatsächlich dazu beiträgt, eine ausgewogene Ernährung sinnvoll zu ergänzen.

Genau unter diesem Gesichtspunkt lohnt sich ein genauer Blick auf die bereits erhältlichen angereicherten veganen Basislebensmittel.

Was bedeutet Lebensmittelanreicherung überhaupt?

Lebensmittel enthalten von Natur aus zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe. Ihre Zusammensetzung hängt unter anderem von der verwendeten Pflanzenart, den Anbaubedingungen und der Verarbeitung ab.


Bei einer gezielten Lebensmittelanreicherung werden bestimmte Nährstoffe zusätzlich eingebracht, um ihren Gehalt im fertigen Produkt zu erhöhen oder ein gewünschtes Nährstoffprofil zu erreichen.


Ein bekanntes Beispiel ist jodiertes Speisesalz. Durch die Zugabe von Jod kann gewöhnliches Speisesalz einen Beitrag zur Jodversorgung leisten. Ähnlich funktioniert die Anreicherung von Pflanzendrinks mit Calcium, Vitamin B12 oder Vitamin D.

Ein Haferdrink enthält beispielsweise von Natur aus kaum Vitamin B12. Wird ihm mikrobiell hergestelltes Vitamin B12 zugesetzt, entsteht ein Lebensmittel, das zusätzlich zur Versorgung mit diesem Vitamin beitragen kann.

Dabei verändert sich nicht die grundlegende Funktion des Vitamins. Für den Körper ist entscheidend, in welcher Menge und in welcher biologisch verfügbaren Form es aufgenommen wird.


Anreicherung ist nicht dasselbe wie ein Nahrungsergänzungsmittel

Angereicherte Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel können dieselben Vitamine oder Mineralstoffe enthalten. Sie unterscheiden sich jedoch in ihrer Verwendung.


Ein Nahrungsergänzungsmittel dient der gezielten Ergänzung der Ernährung und wird beispielsweise als Tablette, Kapsel oder Tropfen angeboten.


Ein angereichertes Lebensmittel bleibt dagegen Bestandteil einer gewöhnlichen Mahlzeit. Ein Sojadrink wird über das Müsli gegossen, eine Joghurtalternative mit Obst kombiniert oder Hefeflocken werden über ein Gemüsegericht gestreut.

Der Vorteil liegt darin, dass die Nährstoffzufuhr in bestehende Ernährungsgewohnheiten integriert werden kann.

Allerdings hängt die tatsächlich aufgenommene Menge davon ab, wie regelmäßig und in welchen Portionen das jeweilige Lebensmittel verzehrt wird.


Warum nicht jede Anreicherung automatisch sinnvoll ist

Die Zugabe von Vitaminen und Mineralstoffen kann die ernährungsphysiologische Qualität eines Lebensmittels verbessern. Sie macht daraus jedoch nicht automatisch ein insgesamt gesundes Produkt.


Ein stark gezuckertes Frühstückscerealienprodukt wird beispielsweise nicht allein dadurch zu einer empfehlenswerten täglichen Mahlzeit, dass ihm mehrere Vitamine zugesetzt wurden.


Umgekehrt ist ein wenig verarbeitetes Lebensmittel nicht automatisch nährstoffphysiologisch überlegen, wenn es wichtige Nährstoffe kaum enthält.


Entscheidend ist die gesamte Zusammensetzung.

Auch die Dosierung verdient Aufmerksamkeit. Bei einigen Nährstoffen besteht ein erheblicher Unterschied zwischen einer sinnvollen Ergänzung und einer möglicherweise zu hohen Gesamtzufuhr.

Deshalb sollte die Anreicherung möglichst an realistischen Verzehrmengen, den Ernährungsgewohnheiten und den wissenschaftlichen Referenzwerten orientiert sein.


Was ist rechtlich erlaubt?

Innerhalb der Europäischen Union wird die freiwillige Zugabe von Vitaminen und Mineralstoffen zu Lebensmitteln insbesondere durch die Verordnung (EG) Nr. 1925/2006 geregelt.

Sie legt unter anderem fest, welche Vitamine und Mineralstoffe sowie welche chemischen Verbindungen dafür verwendet werden dürfen. Ferner gelten Anforderungen an die Kennzeichnung und weitere lebensmittelrechtliche Bestimmungen.


Eine Anreicherung ist somit nicht beliebig möglich. Hersteller müssen sowohl die zulässigen Nährstoffverbindungen als auch die jeweiligen rechtlichen Anforderungen berücksichtigen.


Für Verbraucher ist besonders wichtig, dass zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe in der Zutatenliste erkennbar sind. Werden entsprechende Nährstoffgehalte deklariert, müssen die vorgeschriebenen Kennzeichnungsregeln eingehalten werden.

Die Nährwerttabelle ermöglicht dadurch einen Vergleich zwischen verschiedenen Produkten.


Warum Bio-Pflanzendrinks häufig nicht angereichert sind

Eine Besonderheit betrifft Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung.

Nach der EU-Öko-Verordnung (EU) 2018/848 ist der Zusatz von Vitaminen und Mineralstoffen zu gewöhnlichen Bio-Lebensmitteln grundsätzlich nur zulässig, wenn dies gesetzlich vorgeschrieben ist.


Für pflanzliche Milchalternativen besteht eine solche allgemeine Verpflichtung nicht.

Deshalb dürfen Bio-Pflanzendrinks in der EU normalerweise nicht gezielt mit Vitamin B12, Vitamin D, Jod oder Calcium angereichert werden.


Das erklärt einen auffälligen Unterschied im Supermarktregal: Während konventionelle Pflanzendrinks häufig mehrere zugesetzte Nährstoffe enthalten, bestehen Bio-Varianten oftmals lediglich aus Wasser, dem pflanzlichen Ausgangsstoff und wenigen weiteren Zutaten.


Dabei handelt es sich nicht zwangsläufig um eine Entscheidung des Herstellers gegen die Anreicherung. Vielmehr setzt das europäische Bio-Recht entsprechende Grenzen.


Für vegan lebende Menschen ergibt sich daraus eine interessante Abwägung. Wer bevorzugt biologisch erzeugte Lebensmittel kauft, muss bei der Versorgung mit bestimmten Nährstoffen gegebenenfalls stärker auf andere Quellen zurückgreifen.

Bio-Qualität und eine gezielte Nährstoffanreicherung sind damit zwei unterschiedliche Eigenschaften, die sich unter den derzeitigen rechtlichen Bedingungen bei gewöhnlichen Pflanzendrinks in der EU nicht ohne Weiteres miteinander verbinden lassen.


Entscheidend ist, was tatsächlich im Lebensmittel steckt

Ob ein Produkt mit wichtigen Nährstoffen angereichert wurde, lässt sich nicht zuverlässig allein anhand seiner Bezeichnung erkennen.


Ein Sojadrink kann Calcium, Jod und mehrere Vitamine enthalten. Ein anderes Produkt derselben Lebensmittelgruppe kann ohne entsprechende Zusätze auskommen.

Deshalb lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste und die Nährwerttabelle.



Besonders aussagekräftig ist dabei nicht die bloße Anzahl zugesetzter Nährstoffe, sondern deren Menge im Verhältnis zu einer tatsächlich verzehrten Portion.

Wie groß dieser Unterschied sein kann, zeigen die bereits erhältlichen angereicherten veganen Basislebensmittel.

Angereicherte vegane Basislebensmittel im Überblick

Welche veganen Lebensmittel enthalten bereits zugesetztes Vitamin B12, Calcium, Jod oder andere wichtige Nährstoffe? Und wie viel tragen sie tatsächlich zur täglichen Versorgung bei?


Um diese Fragen zu beantworten, habe ich mir verschiedene Produkte angesehen, die in Deutschland und teilweise auch in der Schweiz erhältlich sind. Im Mittelpunkt stehen Lebensmittel, die sich unkompliziert in die tägliche Ernährung integrieren lassen: Pflanzendrinks, pflanzliche Joghurtalternativen, Hefeflocken, Frühstückscerealien und weitere geeignete Basislebensmittel.


Auf Fleischersatzprodukte verzichte ich in dieser Übersicht bewusst. Mich interessiert vor allem, welche Möglichkeiten bereits bei Lebensmitteln bestehen, die regelmäßig zum Frühstück, beim Kochen oder als Bestandteil gewöhnlicher Mahlzeiten verwendet werden.


Was bedeuten die Prozentangaben?

Um die Produkte besser vergleichen zu können, rechne ich die deklarierten Nährstoffmengen auf alltagstaugliche Portionen um. Bei Pflanzendrinks verwende ich ein Glas mit 250 ml als einheitliche Vergleichsgröße. Für andere Lebensmittelgruppen werden entsprechend geeignete Portionsgrößen angegeben.


Die Prozentwerte beziehen sich grundsätzlich auf die Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für gesunde Erwachsene. Wo diese Werte von Alter oder Geschlecht abhängen, wird dies entsprechend berücksichtigt. Für Protein verwende ich ein einheitliches Rechenbeispiel mit 70 kg Körpergewicht und einer empfohlenen Zufuhr von 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht und Tag.


Wichtig ist dabei: Die dargestellten Prozentwerte beschreiben, welchen Anteil ein Lebensmittel rechnerisch zur empfohlenen Nährstoffzufuhr beiträgt. Sie sagen nicht unmittelbar aus, welcher Anteil tatsächlich vom Körper aufgenommen wird oder ob damit die individuelle Versorgung bereits sichergestellt ist.


Auch können die Angaben von den Prozentwerten auf einer Produktverpackung abweichen, weil für die gesetzliche Nährwertkennzeichnung teilweise andere Referenzmengen verwendet werden.


Transparenz und redaktionelle Unabhängigkeit

Die Produktübersicht dient ausschließlich der unabhängigen Verbraucherinformation. Update Vegan erhält für die Vorstellung der genannten Produkte keine Vergütung oder sonstige Gegenleistung von den Herstellern.


Die Auswahl erfolgt anhand öffentlich zugänglicher Herstellerinformationen und nachvollziehbarer ernährungswissenschaftlicher Kriterien. Berücksichtigt werden Produkte unterschiedlicher Hersteller und Handelsmarken, sofern ausreichend verlässliche Angaben zu den zugesetzten Nährstoffen vorliegen.


Die Nennung eines Produkts ist keine pauschale Kaufempfehlung. Entscheidend sind seine Zusammensetzung, die enthaltenen Nährstoffmengen und der mögliche Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung.


Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Da Hersteller ihre Rezepturen verändern können, entsprechen die Angaben dem dokumentierten Recherchestand vom November 2026. Maßgeblich sind die aktuellen Informationen auf der jeweiligen Produktverpackung.


Pflanzendrinks – Mehr als eine Alternative zu Kuhmilch

Pflanzendrinks gehören zu den Lebensmittelgruppen, bei denen eine gezielte Nährstoffanreicherung bereits vergleichsweise verbreitet ist.


Besonders interessant sind Produkte, die mehrere Nährstoffe miteinander kombinieren, beispielsweise Calcium, Vitamin B12, Vitamin B2, Vitamin D und Jod.



Dabei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten. Manche Pflanzendrinks liefern zusätzlich größere Mengen Protein, während andere vor allem durch ihre Mikronährstoffanreicherung auffallen.

Die folgenden Beispiele zeigen, welchen Beitrag ein gewöhnliches Glas mit 250 ml leisten kann.


Oatly Haferdrink ohne Zucker 250 ml pro Portion DGE-Wert
Nährstoff Pro Glas
Vitamin B12 0,60 µg 15 %
Calcium 300 mg 30 %
Jod 56,25 µg 37,5 %
Vitamin D 2,75 µg 13,8 %
Vitamin B2 0,525 mg 37,5–52,5 %
Protein 2,5 g 4,5 %*
* Proteinvergleich: 56 g täglich bei 70 kg Körpergewicht und 0,8 g/kg. Vitamin D bei fehlender körpereigener Synthese; Vitamin B2 abhängig von Alter und Geschlecht.

Ernährungswissenschaftliche Einordnung

Der Haferdrink liefert vorwiegend Calcium, Jod und mehrere Vitamine. Mit 2,5 g Protein je Glas ist er dagegen keine besonders ergiebige Proteinquelle. Die Rezeptur enthält keinen Zucker, der Zuckergehalt wird mit 0 g angegeben.

Offizielle Produktinformationen bei Oatly

Quelle: Herstellerdeklaration.


vly Ungesüßt 3.1 Erbsenproteinbasis · 250 ml pro Portion
Nährstoff Pro Glas DGE-Wert
Vitamin B12 3,75 µg 93,8 %
Calcium 300 mg 30 %
Jod 29,25 µg 19,5 %
Vitamin D3 3,75 µg 18,8 %
Selen 13,75 µg 19,6–22,9 %
Protein 6 g 10,7 %*
* Proteinvergleich: 56 g täglich bei 70 kg Körpergewicht. Selenreferenzwert abhängig vom Geschlecht.

Ernährungswissenschaftliche Einordnung

Besonders auffällig ist der hohe deklarierte B12-Gehalt. Ein Glas liefert rechnerisch bereits rund 94 % des DGE-Schätzwerts für Erwachsene. Zusätzlich enthält der Erbsendrink Calcium, Jod, Selen und Vitamin D3 sowie 6 g Protein pro Glas.


Das ist ein interessantes Beispiel dafür, wie mehrere Nährstoffe in einem gewöhnlichen Pflanzendrink kombiniert werden können. Der Prozentwert für B12 beschreibt allerdings die zugeführte Menge und keine garantierte Aufnahme im Körper.

Herstellerangaben zu den vly-Varianten

Quelle: vly, Nährwertdeklaration der Variante Ungesüßt 3.1. 


Alpro Sojadrink Original ojabasis · Portion 250 ml
Nährstoff Pro Glas DGE-Wert
Vitamin B12 0,95 µg 23,8 %
Calcium 300 mg 30 %
Vitamin B2 0,525 mg 37,5–52,5 %
Vitamin D2 1,875 µg 9,4 %
Protein 7,5 g 13,4 %*
* Proteinbezugsgröße: 56 g täglich bei 70 kg Körpergewicht. Vitamin D: Referenzwert bei fehlender körpereigener Synthese. Vitamin B2: Werte abhängig von Alter und Geschlecht.

Ernährungswissenschaftliche Einordnung

Der Alpro Sojadrink Original kombiniert einen vergleichsweise hohen Proteingehalt mit zugesetztem Calcium sowie den Vitaminen B2, B12 und D2.


Mit 7,5 g Protein und 300 mg Calcium pro Glas eignet er sich als proteinreiche pflanzliche Milchalternative. Der B12-Gehalt deckt rechnerisch knapp ein Viertel des DGE-Schätzwerts für Erwachsene.


Zu beachten ist, dass der Drink 2,5 g Zucker pro 100 ml enthält. Bei 250 ml entspricht dies 6,25 g Zucker. Eine zusätzliche Jodanreicherung ist in der geprüften deutschen Zutatenliste nicht aufgeführt.



Offizielle Produktinformationen von Alpro
Quellen: Deutsche Alpro-Produktseite und Nährwertdeklaration von Alpro Schweiz; die deutschen Vitaminmengen werden auch durch eine Händlerdeklaration gestützt.


vly Barista 3.1 Erbsenproteinbasis · Portion 250 ml
Nährstoff Pro Glas DGE-Wert
Vitamin B12 3,75 µg 93,8 %
Calcium 300 mg 30 %
Jod 29,25 µg 19,5 %
Vitamin D3 3,75 µg 18,8 %
Selen 13,75 µg 19,6–22,9 %
Protein 5 g 8,9 %*
* Proteinbezugsgröße: 56 g täglich bei 70 kg Körpergewicht. Selen: abhängig vom Geschlecht. Vitamin D bei fehlender körpereigener Synthese.

Ernährungswissenschaftliche Einordnung

Der vly Barista 3.1 enthält neben Calcium auch Vitamin B12, Vitamin D3, Jod und Selen. Besonders bemerkenswert ist die hohe B12-Anreicherung: Bereits ein Glas mit 250 ml liefert rechnerisch rund 94 % des DGE-Schätzwerts für Erwachsene.


Die Kombination verschiedener zugesetzter Mikronährstoffe macht diesen Drink zu einem interessanten Beispiel für eine gezielte Nährstoffanreicherung. Mit 5 g Protein pro Glas enthält er zudem mehr Protein als viele klassische Hafer- oder Mandeldrinks, allerdings weniger als der hier vorgestellte Sojadrink von Alpro.


Der vly Barista enthält außerdem 1,4 g Zucker pro 100 ml, entsprechend 3,5 g je Glas. Seine Rezeptur ist besonders für die Verwendung im Kaffee entwickelt worden.

Herstellerangaben einschließlich vly Barista

Quelle: Aktuelle Nährwertdeklaration des Herstellers vly für die Barista-Variante.


Vogelmiere

Vogelmiere gehört zu den verbreitetsten essbaren Wildkräutern und wächst häufig in Gärten, auf Äckern und an nährstoffreichen Standorten. Die jungen Triebe und Blätter liefern unter anderem Vitamin C, Carotinoide, verschiedene Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Wie bei Wildpflanzen allgemein können die tatsächlichen Gehalte je nach Standort, Jahreszeit und Entwicklungsstadium deutlich schwanken.


Geschmacklich ist Vogelmiere vergleichsweise mild und leicht frisch-grün. Dadurch eignet sie sich besonders gut für Salate, Kräutermischungen, Pestos und Aufstriche oder als frische Ergänzung zu Suppen und Gemüsegerichten. Gerade als leckeres Topping auf einer Suppe macht es eine gute Figur. Junge Triebe können roh verwendet oder nur kurz erhitzt werden.


Auch bei Vogelmiere ist eine sichere Bestimmung wichtig. Charakteristisch sind unter anderem die kleinen weißen, tief eingeschnittenen Blüten sowie eine feine Haarleiste entlang des Stängels. Da es ähnlich aussehende Pflanzen gibt, sollte nur gesammelt werden, was eindeutig bestimmt werden kann.


Wie bei anderen Wildkräutern sollten belastete Sammelstellen, Straßenränder und stark gedüngte oder verunreinigte Flächen gemieden werden.



Vogelmiere ist damit ein mildes, vielseitig verwendbares Wildkraut, das sich unkompliziert in eine abwechslungsreiche pflanzliche Küche integrieren lässt.


Bärlauch

Bärlauch gehört zu den beliebtesten essbaren Wildkräutern und ist besonders im Frühjahr verbreitet. Die Blätter enthalten unter anderem Vitamin C, verschiedene Mineralstoffe und schwefelhaltige Pflanzenstoffe, die auch für den typischen knoblauchartigen Geruch verantwortlich sind. Wie bei anderen Wildpflanzen können die Gehalte je nach Standort und Entwicklungsstadium deutlich schwanken.


Kulinarisch lässt sich Bärlauch vielseitig verwenden, zum Beispiel in Pestos, Aufstrichen, Suppen, Salaten oder als frische Würze für Kartoffel- und Gemüsegerichte. Besonders in einem veganen Kräuterquark kommt er gut zur Geltung. Sein charakteristisches Aroma ist besonders ausgeprägt, solange die Blätter jung und frisch sind.


Bei Bärlauch ist die sichere Bestimmung besonders wichtig, weil Verwechslungen mit giftigen Pflanzen vorkommen können. Gefährlich sind primär Verwechslungen mit Maiglöckchen, Herbstzeitlosen und teilweise auch Aronstab.


Der typische Knoblauchgeruch kann bei der Bestimmung hilfreich sein, sollte aber niemals das einzige Merkmal sein.

Wer Bärlauch sammelt, sollte jede Pflanze einzeln prüfen und nur Blätter verwenden, die eindeutig bestimmt werden können. Bei Unsicherheit gilt: nicht sammeln und nicht verzehren.


Auch der Sammelort spielt eine Rolle. Straßenränder, stark gedüngte Flächen und möglicherweise verunreinigte Standorte sollten gemieden werden.



Bärlauch ist damit ein aromatisches und vielseitiges Wildkraut, bei dem der kulinarische Nutzen eng mit einer besonders sorgfältigen Pflanzenbestimmung verbunden ist.


Sauerampfer

Sauerampfer ist ein aromatisches Wildkraut mit charakteristisch säuerlichem Geschmack. Die Blätter liefern unter anderem Vitamin C, Carotinoide, verschiedene Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Wie bei anderen Wildkräutern können die tatsächlichen Gehalte je nach Standort, Jahreszeit und Entwicklungsstadium deutlich schwanken.


Kulinarisch eignet sich Sauerampfer besonders gut für Salate, Kräutersaucen, Suppen, Aufstriche und als frische Ergänzung zu Kartoffel- oder Gemüsegerichten. Junge Blätter sind meist milder und zarter, während ältere Blätter deutlich kräftiger und saurer schmecken.


Eine Besonderheit ist der Gehalt an Oxalsäure. Sie trägt zum typischen sauren Geschmack bei, kann aber Mineralstoffe wie Calcium binden und bei sehr hohen Aufnahmemengen problematisch sein. Sauerampfer sollte deshalb eher als würzende Ergänzung und nicht in sehr großen Mengen verzehrt werden.


Beim Sammeln gilt auch hier: nur eindeutig bestimmte Pflanzen verwenden, da Sauerampfer mit dem giftigen Aronstab verwechselt werden kann. Zudem sollte man belastete Standorte meiden. Besonders junge, gesunde Blätter sind für die Küche am besten geeignet.


Sauerampfer ist damit ein geschmacklich markantes Wildkraut, das eine pflanzliche Ernährung gut ergänzen kann – besonders dann, wenn es abwechslungsreich und in moderaten Mengen verwendet wird.


Fazit: Wildkräuter

Wildkräuter können eine abwechslungsreiche pflanzliche Ernährung geschmacklich und ernährungsphysiologisch sinnvoll ergänzen. Je nach Art liefern sie Vitamine, Mineralstoffe und zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe, wobei ihre tatsächlichen Gehalte aufgrund von Standort, Jahreszeit und Entwicklungsstadium erheblich schwanken können.


Gleichzeitig unterscheiden sie sich deutlich in Geschmack und Verwendung: Brennnesseln lassen sich ähnlich wie Blattgemüse verarbeiten, Löwenzahn und Giersch bereichern Salate und Kräutermischungen, Vogelmiere ist besonders mild, Bärlauch bringt ein kräftiges Knoblaucharoma und Sauerampfer seine charakteristische Säure mit.


Anders als bei gewöhnlichen Küchenkräutern gehört zur Nutzung von Wildkräutern jedoch immer auch die sichere Pflanzenbestimmung. Besonders bei Arten wie Bärlauch oder Giersch können Verwechslungen mit giftigen Pflanzen ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Auch der Sammelort sollte sorgfältig gewählt werden.



Eine einzelne besonders wertvolle Wildpflanze gibt es deshalb ebenso wenig wie einen Grund, Wildkräuter für eine ausgewogene Ernährung unbedingt zu benötigen. Richtig bestimmt, sachgerecht verwendet und abwechslungsreich ausgewählt können sie jedoch eine interessante Bereicherung der pflanzlichen Küche darstellen.


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Quellen

Bundesinstitut für Risikobewertung. (2026). Bärlauch: Vorsicht vor Verwechslungen – Giftige Doppelgänger von Bärlauch können beim Verzehr fatale Folgen haben. BfR. Bundesinstitut für Risikobewertung


Bundesinstitut für Risikobewertung. (2025). Geruchstest mit Tücken: Worauf beim Bärlauch-Sammeln geachtet werden sollte. BfR. Bundesinstitut für Risikobewertung


Bundesinstitut für Risikobewertung. (2025). Giftpflanzen – Wie kann man sich schützen, und was ist bei einer Vergiftung zu tun? BfR. Dort werden neben Bärlauch auch weitere relevante Verwechslungen beschrieben, unter anderem Sauerampfer mit Aronstab. Bundesinstitut für Risikobewertung


Bundesinstitut für Risikobewertung. (2024). Grüne Smoothies: Worauf zu achten ist. BfR. Die Quelle ist vor allem für mögliche Belastungen von Wildkräutern durch Sammelorte und Verunreinigungen nützlich. Bundesinstitut für Risikobewertung


U.S. Department of Agriculture. (n.d.). FoodData Central. Agricultural Research Service. https://fdc.nal.usda.gov/


Pinela, J., Carvalho, A. M., & Ferreira, I. C. F. R. (2017). Wild edible plants: Nutritional and toxicological characteristics, retrieval strategies and importance for today’s society. Food and Chemical Toxicology, 110, 165–188. https://doi.org/10.1016/j.fct.2017.10.020


Ceccanti, C., Landi, M., Benvenuti, S., Pardossi, A., & Guidi, L. (2018). Mediterranean wild edible plants: Weeds or “new functional crops”? Molecules, 23(9), 2299. https://doi.org/10.3390/molecules23092299