Vegan Motorrad fahren – wie sicher ist Schutzkleidung ohne Leder?

Autor: Thomas Wiedemann
Veröffentlicht am 24. August 2026

Vor vierzig Jahren stellte sich die Frage nach der richtigen Motorradbekleidung anders als heute. Leder war über Jahrzehnte eines der prägenden Materialien der Motorradschutzkleidung: im Rennsport ebenso wie bei vielen Touren- und Straßenfahrern. Textil-Motorradbekleidung gab es zwar bereits, doch moderne technische Textilien und Materialkombinationen, wie wir sie heute kennen, standen erst am Anfang ihrer Entwicklung.


Gleichzeitig spielte eine Frage, die heute für manche Motorradfahrer selbstverständlich ist, damals gesellschaftlich kaum eine Rolle: Kann Motorradschutzkleidung auch ohne tierische Materialien auskommen? Veganismus existierte bereits, war jedoch wesentlich weniger sichtbar als heute. Noch Jahrzehnte später wurden vegan lebende Menschen in Bevölkerungsstudien teilweise gar nicht als eigene Gruppe erfasst.


Heute hat sich beides verändert. Moderne Motorradbekleidung wird aus einer Vielzahl technischer Materialien gefertigt, während Herkunft, Nachhaltigkeit und tierische Bestandteile von Produkten stärker hinterfragt werden. Damit stellt sich auch in der Motorradwelt zunehmend eine Frage, die früher kaum gestellt wurde:

Wie sicher kann Motorradbekleidung ohne Leder heute sein – und welche Möglichkeiten gibt es für Menschen, die auch beim Motorradfahren auf tierische Materialien verzichten möchten?


Welche Möglichkeiten gibt es heute?

Wer heute nach Motorradbekleidung sucht, findet ein deutlich anderes Angebot als noch vor einigen Jahrzehnten. Neben Leder werden Jacken und Hosen aus unterschiedlichen technischen Textilien angeboten – von Polyester- und Polyamidgeweben über Mesh-Konstruktionen bis zu hochfesten Fasern und mehrlagigen Materialkombinationen. Hinzu kommen Motorradjeans, wasserdichte Membransysteme und Bekleidung, bei der unterschiedliche Materialien gezielt für verschiedene Belastungszonen kombiniert werden. Aktuelle Textiljacken erreichen dabei je nach Konstruktion unterschiedliche zertifizierte Schutzklassen.


Auch bei Motorradschuhen und Handschuhen sind tierfreie Materialien längst technisch möglich. So führt Alpinestars unter anderem zahlreiche Motorradschuhe, deren Hauptmaterial als synthetisch angegeben wird. Einzelne Hersteller gehen inzwischen noch weiter: REV’IT! kennzeichnet mehrere Motorradhandschuhe ausdrücklich als „vegan“, darunter die Modelle Cavern, Endo und Access. Beim Cavern werden unter anderem 3D-Air-Mesh, PU-beschichtetes Gewebe und Mikrofaser verwendet.


Allerdings ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: „Textil“ oder „synthetisch“ bedeutet nicht automatisch „vegan“. Motorradbekleidung kann verschiedene Materialien miteinander kombinieren und beispielsweise trotz eines überwiegend textilen Aufbaus Lederdetails enthalten. Umgekehrt lässt sich aus einer Materialliste ohne Leder nicht sicher ableiten, dass auch Klebstoffe, Beschichtungen oder andere Bestandteile frei von tierischen Ausgangsstoffen sind. Deshalb unterscheiden wir in diesem Artikel zwischen lederfreier Motorradbekleidung und Produkten, die vom Hersteller ausdrücklich als vegan ausgewiesen werden.


Die Auswahl ist also heute erheblich größer. Damit ist allerdings die entscheidende Frage noch nicht beantwortet: Wie kann festgestellt werden, ob solche Motorradbekleidung tatsächlich ausreichend schützt? Genau dafür gibt es heute definierte Prüfverfahren, Normen und Schutzklassen.


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