Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen weiterhin die häufigste Todesursache in Deutschland dar.

Autor: Thomas Wiedemann
Veröffentlicht am 15. Mai 2026 · zuletzt aktualisiert am 28. August 2026

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes starben 2024 in Deutschland rund 339.000 Menschen an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Damit entfiel etwa ein Drittel aller Todesfälle auf diese Krankheitsgruppe Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen unter anderem Bluthochdruck, erhöhte LDL-Cholesterinwerte, Übergewicht, Diabetes mellitus, Bewegungsmangel und bestimmte Ernährungsgewohnheiten.


In den vergangenen Jahren hat sich die wissenschaftliche Evidenz verdichtet, dass Lebensstilfaktoren – insbesondere Ernährung und körperliche Aktivität – einen erheblichen Einfluss auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Dabei rücken pflanzenbasierte Ernährungsformen zunehmend in den Fokus der Forschung.


Eine 2024 veröffentlichte Umbrella-Review im „American Journal of Preventive Cardiology“, an der unter anderem Forschende der University of California, Irvine beteiligt waren, wertete 21 systematische Reviews und Meta-Analysen aus. Die Arbeit untersuchte den Zusammenhang zwischen vegetarischen beziehungsweise veganen Ernährungsweisen und dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Autorinnen und Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass vegetarische und vegane Ernährungsformen mit einer signifikant geringeren Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert waren. Zudem zeigten sich günstigere Werte bei mehreren etablierten Risikofaktoren, darunter LDL-Cholesterin, Blutdruck, Body-Mass-Index sowie Entzündungsmarker.


Die analysierten Daten deuten auf eine relative Risikoreduktion für Herz-Kreislauf-Erkrankungen von etwa 15 % hin. Gleichzeitig betonen die Forschenden, dass es sich überwiegend um Beobachtungsstudien handelt. Daraus lässt sich keine absolute Kausalität ableiten, jedoch zeigen die Ergebnisse konsistent in dieselbe Richtung und stimmen mit früheren Meta-Analysen überein. 

Weitere aktuelle Meta-Analysen zeigen zudem, dass vegetarische und vegane Ernährungsweisen häufig mit niedrigeren Gesamtcholesterin- und LDL-Cholesterinwerten verbunden sind. Gerade erhöhte LDL-Werte gelten als zentraler Risikofaktor für Arteriosklerose und koronare Herzkrankheiten. 


Wichtig ist dabei die Differenzierung zwischen einer rein pflanzlichen Ernährung und einer insgesamt gesundheitsförderlichen Ernährungsweise. Auch pflanzliche Ernährungsmuster können ungünstig zusammengesetzt sein, etwa bei hohem Anteil stark verarbeiteter Lebensmittel. Die wissenschaftliche Evidenz bezieht sich überwiegend auf ausgewogene Ernährungsformen mit einem hohen Anteil an Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse, Obst, Nüssen und ungesättigten Fettsäuren.


Die derzeitige Studienlage spricht insgesamt dafür, dass gut geplante pflanzenbasierte Ernährungsweisen einen relevanten Beitrag zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen leisten können. Fachgesellschaften und Forschende sehen darin daher zunehmend eine sinnvolle Ergänzung präventiver Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit.


Update August 2026: Neue Meta-Analyse bestätigt Bedeutung der Ernährungsqualität

Eine im August 2026 veröffentlichte Meta-Analyse von 19 prospektiven Kohortenstudien mit insgesamt 846.589 Teilnehmenden bestätigt die bisherigen Befunde. Eine stärkere Orientierung an einer pflanzenbasierten Ernährung war mit einem etwa 10 % geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden.

Besonders deutlich zeigte sich dabei die Bedeutung der Ernährungsqualität: Bei einer gesund zusammengesetzten pflanzenbasierten Ernährung mit einem hohen Anteil an Vollkornprodukten, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Nüssen lag das relative Risiko etwa 17 % niedriger. Eine ungünstig zusammengesetzte pflanzenbasierte Ernährung war dagegen mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko assoziiert.

Die Ergebnisse unterstreichen damit einen wichtigen Punkt: Nicht allein der Verzicht auf tierische Lebensmittel entscheidet über die gesundheitliche Wirkung einer pflanzenbasierten Ernährung, sondern vor allem deren konkrete Zusammensetzung.


Quellen und weiterführende Literatur:


Capodici, A., Mocciaro, G., Gori, D., Landry, M. J., Masini, A., Sanmarchi, F., Fiore, M., Coa, A. A., Castagna, G., Gardner, C. D., & Guaraldi, F. (2024). Cardiovascular health and cancer risk associated with plant based diets: An umbrella review. PLOS ONE, 19(5), e0300711. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0300711


Landry, M. J., Senkus, K. E., Mangels, A. R., Guest, N. S., Pawlak, R., Raj, S., Handu, D., & Rozga, M. (2024). Vegetarian dietary patterns and cardiovascular risk factors and disease prevention: An umbrella review of systematic reviews. American Journal of Preventive Cardiology, 20, 100868. https://doi.org/10.1016/j.ajpc.2024.100868

Kim, Y., & Kim, Y. (2026). A plant-based diet and cardiovascular disease, coronary heart disease, and stroke: A systematic review and meta-analysis of prospective cohort studies. Nutrients, 18(17), 2779.
https://doi.org/10.3390/nu18172779


Statistisches Bundesamt. (2025). Todesursachen 2024: Immer mehr Menschen versterben an Demenz. 



Weitere spannende Informationen und Berichte folgen, schau einfach wieder vorbei.